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Höhere Kosten durch Maut und erweiterte Tachografenpflicht

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Kaum ein Unternehmer mit 7,5-Tonner entkommt künftig der Maut. Jetzt ist zu klären, welche Abrechnungstechnik sich für den Betrieb anbietet und ob sich die Investition in einen sauberen Lkw lohnen könnte.

Lkw faehrt an Mautkontrollstelle vorbei Mehr Kosten, mehr Bürokratie – seit Wochenbeginn können Unternehmer, die Gespanne mit einem Gesamtgewicht von über 7,5 Tonnen einsetzen, der Maut kaum noch ausweichen. Bis zum 30. Juni wurde die Abgabe nur bei Transporten über Autobahnen oder autobahnähnliche Bundesstraßen fällig. Nun gilt die Straßenbenutzungsgebühr auch auf allen sonstigen Bundesstraßen. Ein Umfahren der Zahlungspflicht durch die ausschließliche Nutzung von Landstraßen dürfte nicht nur für Speditionen unmöglich sein. Viele Handwerksbetriebe, Industrieunternehmen oder Dienstleister, die schweres Gerät zum Einsatzort oder Produkte zum Kunden bringen müssen, können ebenfalls kaum eine Route planen, die jede Bundesstraße vermeidet – zumal die Maut jetzt für innerstädtische Streckenabschnitte gilt. Kostenlos bleiben nur Querungen mit einer Länge von unter 100 Metern.

Verstöße gegen die ausgeweitete Mautpflicht werden teuer

Ein Bild vom künftigen Umfang der Mautpflicht liefert die Mauttabelle – die dort angegebenen Tariflängen dienen auch als Abrechnungsgrundlage für streckenbezogene Benutzungsgebühren. Über die Zahlungsmöglichkeiten informiert Toll Collect, der Betreiber des Systems, ausführlich auf seiner Webseite: Es gibt die Möglichkeit zur Abrechnung per fest im Lkw installierter On-Board Unit (OBU), per Online-Einbuchung am PC, per App auf dem Mobilgerät und über 1.100 Mautstellen-Terminals in Tankstellen, Rasthäusern oder Autohöfen. Firmenchefs müssen rasch die Frage beantworten, wie die Straßenbenutzungsgebühr sich in ihrem Fall am besten zahlen lässt. Wer sporadisch mit dem 7,5-Tonner unterwegs ist, kann vielleicht ad hoc per App buchen. Wer dagegen viel und regelmäßig schwere Lkw oder Zugmaschinen rollen lässt, sollte sich eventuell für eine OBU entscheiden. Wichtig ist, die Fahrer über die gewählte Technik und damit verbundene Pflichten zu informieren, um unbeabsichtigte Schwarzfahrten zu vermeiden – das Kontrollnetz ist engmaschig, die Strafe bei Falschangaben oder Nichtzahlen der Maut empfindlich. Außerdem sollte der Steuerberater mit Blick auf die von der Schadstoffklasse des Lkw abhängigen Belastung durch Straßenbenutzungsgebühren kalkulieren, ob sich das Ersetzen einer alten Dreckschleuder durch einen deutlich saubereren jungen Gebrauchten anbietet.

Handwerkerregelung bei Tachografenpflicht wird ausgehöhlt

Eine Niederlage hat das Handwerk auch beim Thema Tachografenpflicht erlitten. Seit 2015 profitieren viele Unternehmen, die Nutzfahrzeuge mit weniger als 7,5 Tonnen Gesamtgewicht einsetzen, von der sogenannten Handwerkerregelung. Danach ist der Transport von Material, Ausrüstungen oder Maschinen, die der Fahrer zur Ausübung seines Berufs benötigt, bis zu einer Entfernung von 100 Kilometern vom Unternehmenssitz erlaubt, ohne dass die Pflicht zu Einbau und Nutzung eines Fahrtenschreibers entsteht. Dies gilt, solange das Fahren nicht die Haupttätigkeit des Fahrers darstellt, denn die Tachografenpflicht dienen in erster Linie zur Kontrolle der Einhaltung von Lenk- und Ruhezeiten im Personen- und Güterfernverkehr.

Unternehmer fürchten noch mehr Bürokratie und Kosten

Ab 2020 dürften sich die Regeln ändern. Auf Beschluss des Europäischen Parlaments sollen dann bereits Fahrzeuge mit einem Gesamtgewicht ab 2,4 Tonnen verpflichtend mit einem digitalen Tachografen ausgestattet sein. Zwar gilt dies eigentlich nur bei internationalen Transporten – aber zahllose deutsche Handwerker in Grenzregionen zu Dänemark, Frankreich oder Österreich wären ebenso von der Regelung betroffen, weil sie immer wieder zu Kunden in den Nachbarländern fahren. Und das wäre dann ein internationaler, weil grenzüberschreitender Transport. Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), betont nicht nur, dass Handwerker keine Berufskraftfahrer sind. Er warnt auch davor, dass die Neuregelung dem Einstieg in eine weitere Ausweitung auf innerstaatliche Transportvorgänge im unteren Gewichtsbereich dienen könnte. Wäre dem so, müssten alle Betriebe mit noch mehr Bürokratie und Kosten rechnen.

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