Arbeitssicherheit

So kommen Ihre Mitarbeiter gesund durch die Sommerhitze

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Wenn im Büro die Luft steht und draußen der Asphalt kocht, wird das Arbeiten zur Qual. Gute Planung bei Arbeitszeiten und Ausstattung am Arbeitsplatz schützt vor Gefahren durch Hitze und UV-Strahlung.

Foto von Bauarbeiter mit groben Schuhen der in eine Schraube tritt Statistik kann einfach sein. Aus Zahlen der Berufsgenossenschaften lassen sich gut die Gründe für Arbeitsunfälle ablesen. Die Betroffenen sind gestürzt; haben Maschinen oder Werkzeuge fehlbedient; haben falsch gehoben oder getragen; hatten zu wenig Erfahrung oder zu viel Routine; haben Sicherheitsvorschriften missachtet; oder arbeiten in einem Betrieb, der kaum in Arbeitsschutz investiert. Vor allem der letzte Punkt muss jeden Firmenchef zum Nachdenken bringen – nämlich darüber, ob er tatsächlich genug für Arbeitssicherheit tut, und zwar in Form von laufenden organisatorischen Verbesserungen, moderner technischer Ausstattung sowie regelmäßigen Schulungen. Nur gut informierte und trainierte sowie mit einer ausreichenden und funktionierenden Sicherheitsausrüstung versehene Beschäftigte können sich im betrieblichen Alltag so verhalten, dass möglichst wenig passiert.

Im Sommer wird die Hitze zum Sicherheitsthema

Natürlich können Firmenchefs jederzeit ins Thema Sicherheit am Arbeitsplatz einsteigen. Gerade jetzt aber ist ein besonders guter Zeitpunkt, um sich mit einem speziellen Problem in vielen Büros und Werkshallen sowie bei Arbeitsplätzen unter freiem Himmel zu beschäftigen: Dem richtigen Verhalten und der richtigen Ausrüstung bei Sonne oder Hitze. Schon der Mai brachte hohe Temperaturen, und bis August dürften noch zahlreiche schweißtreibende Tage dazu kommen. Deshalb ist spätestens jetzt für viele Unternehmer der passende Zeitpunkt, um die Arbeitssicherheit im Sommer zu planen. Auf die Tagesordnung gehören folgende Punkte:

Grafik mit der Zahlen zur Verteilung der Arbeitsunfaelle auf verschiedene BranchenBedingungen für das Arbeiten in Gebäuden

Rechtlich ist es so: Seit 2010 legt die „Arbeitsstättenregel ASR A3.5 Raumtemperatur“ fest, dass in Arbeits- und Sozialräumen eine Höchsttemperatur von 26 Grad nicht überschritten werden darf, solange die Außentemperatur 26 Grad nicht übersteigt. Der Arbeitgeber muss für die Absenkung der Raumtemperatur sorgen, etwa durch geeignete Sonnenschutzsysteme. Bis zu einer Lufttemperatur von 30 Grad soll der Firmenchef weitergehende Schutzmaßnahmen ergreifen, er muss es aber nicht. Erst bei Temperaturen zwischen 30 und 35 Grad ist der Unternehmer zu diesen Schutzmaßnahmen verpflichtet. Dazu zählen könnten etwa die Verlagerung der Arbeitszeit, die effektivere Steuerung des Sonnenschutzes und der Lüftungseinrichtungen, die Lockerung der Bekleidungsregeln oder das Bereitstellen von Getränken. Hitzefrei winkt den Beschäftigten – theoretisch – bei Temperaturen über 35 Grad, dann ist ein Raum grundsätzlich nicht mehr für Arbeit geeignet. Selbst bei solchen Extremtemperaturen kann die Arbeitspflicht aber ausnahmsweise weiter fortbestehen. Dafür muss der Unternehmer entweder Hitzeschutzkleidung zur Verfügung stellen oder besondere technische und organisatorische Maßnahmen ergreift, etwa in Form von Luftduschen, Wasserschleiern oder häufigen Hitzepausen. Solche Themen muss der Unternehmer mit seinem Betriebsrat besprechen beziehungsweise Regelungen vereinbaren.

Flexible Arbeitszeiten helfen gegen Hitzekoller

Unabhängig vom Rechtsrahmen sollte jeder Firmenchef seine Beschäftigten darüber informieren, wie sich das Arbeiten in warmen Räumen möglichst angenehm gestalten lässt und was das Unternehmen zu ihrer Unterstützung tut. Solche Tipps sind sehr hilfreich. Generell auf die Tagesordnung gehören folgende Themen:

Arbeitszeit flexibler gestalten. Großzügige Gleitzeitregeln ermöglichen es den Mitarbeitern, früh anzufangen und während der Mittagshitze zu gehen, oder später am Abend noch mal ins Büro zu kommen. Auch mehr Heimarbeit wäre denkbar. Wichtig ist nur, dass tagsüber stets jemand da ist, der auf Kundenwünsche reagiert.
Kleiderordnung lockern. In vielen Unternehmen ist es problemlos möglich, dass die Beschäftigten an heißen Tagen mit kurzärmlige Hemden oder Blusen erscheinen und auf Jacke oder Krawatte verzichten. Auch eine leichte Sommerhose beziehungsweise ein leichter Sommerrock aus Naturfasern verringern den Wärmestau im Körper. Legere Kleidung als Abweichung von der Norm sollte aber immer zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer abgesprochen werden, besonders bei Kundenkontakt.
Getränke bereitstellen. Mineralwasser, Saftschorlen oder Tee können die körpereigene „Klimaanlage“ unterstützen. Wer im Sommer möglichst viel und regelmäßig trinkt, fühlt sich besser. Allerdings sollte auf kalte Getränke und vor allem den Einsatz von Eiswürfeln verzichtet werden.
Leichtes Essen anbieten. Informieren Sie die Mitarbeiter darüber, dass im Sommer über den Tag verteilt leichte Kost besser ist als ein deftiges Mittagessen. Auch der Speiseplan der Kantine sollte für die warme Jahreszeit generell entsprechend angepasst werden.
Frühmorgens gründlich lüften. Der Hausmeister oder ein freiwilliger Mitarbeiter sollte ruhig schon morgens um sechs die Fenster für längere Zeit öffnen und so frische, kühle Luft ins Gebäude lassen. Ab spätestens 10 Uhr sollten dann die Fenster zu bleiben und mit Sonnenschutz vor direkter Einstrahlung abgeschirmt werden.
Ventilatoren und Klimageräte stellen. Mobile Klimageräte helfen dabei, die Innentemperatur in einzelnen Räumen schnell und dauerhaft zu senken, beispielsweise für eine Konferenz. Ventilatoren auf dem Schreibtisch verschaffen individuelle Abkühlung. Sie müssen so platziert sein, dass sich niemand durch kalte Zugluft erkältet.
Private Kühlstrategien erlauben. Den Mitarbeitern kann befristet gestattet werden, private Elektrogeräte zu Kühlzwecken zu nutzen und dafür Strom des Unternehmens zu zapfen, ohne dass es als Stromklau gilt. Die Geräte müssen aber auf Sicherheit und Funktionsfähigkeit überprüfen werden. Großzügige Chefs erlauben sogar das kalte Fußbad unter dem Schreibtisch – solange kein Wasserschaden droht.
Zusätzliche Wärmequellen vermeiden: Nicht benötigte Maschinen oder Geräte sollten konsequent ausgeschaltet werden. Das gilt auch für die Beleuchtung. So lässt sich der Temperaturanstieg in Innenräumen zumindest etwas begrenzen.

Grafik mit Zahlen zur Entwicklung der Wegeunfaelle und Arbeitsunfaelle von 1987 bis 2017 Schutzmaßnahmen für das Arbeiten im Freien

Nicht nur von Hitze, sondern auch von direkter Sonnenstrahlung betroffen sind natürlich jene Beschäftigten, die im Freien arbeiten. Hier gilt bereits im Frühling, dass der Schutz vor der UV-Strahlung der Sonne hohe Priorität hat. Maßgeblich sind Arbeitsschutzgesetz, Arbeitsstättenverordnung und Unfallverhütungsvorschrift DGUV. Danach sollte die solare UV-Strahlung zur Gefährdungsbeurteilung gehören. Der UV-Index (UVI) beschreibt die sonnenbrandwirksame UV-Strahlung der Sonne. Ab dem UVI 3 soll unnötige Strahlung auf Haut und Augen vermieden, möglichst im Schatten gearbeitet, vor Sonne schützende Kleidung getragen und Sonnenstrahlung zwischen 11 Uhr und 15 Uhr generell gemieden werden. Empfohlen wird die Verwendung von Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor (mindestens LSF 30) sowie das Tragen einer Sonnenbrille mit Filterkategorie 2 oder 3 und CE-Kennzeichen.

Bei täglicher Arbeitsplanung an die Sonne denken

Wer Beschäftigte im Freien arbeiten lässt, muss die Einsätze entsprechend der zu erwartenden Umweltbedingungen planen sowie auch die Ausstattung des Einsatzortes den gesetzlichen Anforderungen anpassen, wenn dort länger gearbeitet wird. Das gilt vor allem für Baustellen.

Bei der Baustellenausstattung sind Anlagen zur Beschattung, Belüftung oder Besprühung mit Wasser einzurichten, etwa Sonnensegel oder Schirme. Zu gewährleisten ist die ständige Verfügbarkeit von geeigneten Getränken im direkten Arbeitsumfeld, also nicht nur in einem entfernten Bauwagen.
Bei der längerfristigen Arbeitsplanung ist im Sommer zu klären, wie sich Arbeitszeit und Arbeitsrhythmus sowie Arbeitsintensität der Witterung anpassen lassen, etwa durch das Verschieben von Arbeiten, die generelle Verlegung der Arbeitszeiten in die kühlen Morgenstunden sowie veränderte, den Belastungen angepasste Pausenzeiten.
Bei der täglichen Arbeitsplanung sollte auf die aktuellen und prognostizierten Umweltbedingungen geachtet werden, vor allem mit Blick auf die Schadstoffgrenzwerte. Beim Umweltbundesamt beispielsweise sind Messdaten zu Ozonwerten beziehungsweise Sommersmog und entsprechende Verhaltenshinweise dazu abrufbar, ob schwere körperliche Arbeiten einzugrenzen oder ganz zu vermeiden sind. Ob mit einer Hitzewelle zu rechnen ist, darüber informiert der Deutsche Wetterdienst (DWD).
Bei der Mitarbeiterschulung sollte dafür gesorgt werden, dass den Beschäftigten das Risiko von Arbeit in der Sommerhitze klar ist und sie Anzeichen gesundheitlicher Probleme bei sich und anderen erkennen. Bei einem Sonnenstich sind die typischen Symptome unter anderem Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Nackenschmerzen. Beim Hitzschlag versagen Kühlfunktion und Schweißproduktion des Körpers. Symptome sind eine trockene, gerötete und heiße Haut sowie Bewusstlosigkeit. Für solche Fälle sollten die Mitarbeiter wissen, wie sie im Ernstfall am besten reagieren – beim Notruf ebenso wie bei der Erstversorgung eines Kollegen.
Bei der Mitarbeiterausstattung ist die Persönliche Schutzausrüstung (PSA) besonders wichtig, am besten zusammengestellt und regelmäßig aktualisiert auf Basis einer umfassenden Gefährdungsbeurteilung. Jeder Beschäftigte sollte einen Rucksack mit den entsprechenden Gegenständen haben – von der Kopfbedeckung über die Sonnenbrille bis zur Sonnencreme. Bei Verbrauchsmaterialien muss der Vorrat rechtzeitig aufgestockt werden. Ganz wichtig: Vorgeschriebene Schutzkleidung darf wegen hoher Temperaturen nicht einfach weggelassen werden. Gehören etwa feste Arbeitsschuhe zum Standard, kann niemand einfach in Badelatschen arbeiten, weil er heiße Füße hat. Sonst droht nach einem Arbeitsunfall Streit mit der Unfallkasse über Fahrlässigkeit oder grobe Fahrlässigkeit. Besser wäre es, die Mitarbeiter – falls möglich – mit der Jahreszeit angepassten Schuhen auszustatten.

Dienstwagen für den Sommer fit machen

Jeder Firmenwagen ist eine gewichtige Investition – vom flinken Stadtflitzer über den belastbaren Baustellen-Transporter bis zum komfortablen Chefauto. Natürlich will so eine Ausgabe gut kalkuliert sein, damit nicht unnötig Geld ausgegeben wird. Mit Blick auf die zunehmend heißeren Sommer empfiehlt es sich allerdings, hier nicht bei der Ausstattung zu sparen. Selbst Kleinwagen sind inzwischen zumindest mit einer einfachen Klimaanlage zu haben. Auch für viele Nutzfahrzeuge ist dieses Extra verfügbar. Ähnliches gilt für Wärmeschutzverglasung. Wer sich dafür entscheidet, investiert weise. Erstens steigt der Wiederverkaufswert durch solche sinnvollen Extras. Zweitens werden die Mitarbeiter dafür dankbar sein, dass sie nicht schon an schönen Frühlingstagen auf Dienstreisen oder bei der Fahrt zur Baustelle sonnenbedingt ins Schwitzen kommen. Drittens steigt die Unfallgefahr, wenn jemand in einem überhitzten Fahrzeug durch die heiße Luft unkonzentrierter wird und im Wärmestau zum nächsten Termin hetzt. Klimaanlage und Wärmeschutzverglasung sollten deshalb für jeden Firmenwagen zum Standard gehören. Außerdem ist es sinnvoll, den Mitarbeitern im Außeneinsatz einige Anti-Hitze-Tipps für sich und ihr Fahrzeug zu geben – und hilfreich kann zudem sein, in jedem Auto eine Scheibenabdeckung aus Aluminium zu deponieren, die beim Parken die Aufwärmung vermindert.

Auch an technische Geräte und Maschinen denken

Für die meisten Unternehmer sind ihre Mitarbeiter der wichtigste Produktionsfaktor. Aber sie müssen auch an ihre Maschinen und Geräte denken – darin stecken ebenfalls hohe Investitionen. Deshalb ist es wichtig, Computer, Drucker, Telefonanlagen und auch größere Maschinen in der Produktion an besonders warmen Tagen zu überwachen, um ein Heißlaufen und damit mögliche Schäden zu verhindern. Empfehlenswert ist für Bürogebäude eine spezielle IT-Kühlanlage, um Hitzeschäden durch elektrostatische Aufladung der Geräte abzuwenden. Wer Angst um seinen PC hat, sollte sich mit den Tipps von Computerexperten für den Fall einer Überhitzung vertraut machen. Und wer sich für die Belastungsgrenze seines Rechners interessiert, findet auch dafür Programme im Netz.

Mit Anwalt und Steuerberater Details klären

Einerseits zählt Arbeitssicherheit zu den wichtigsten Themen für Unternehmer, weil es dabei um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter und das Einhalten teils sehr komplizierter Gesetze geht. Andererseits ist dieses Thema oft mit hohen Investitionen oder langfristig wirkenden Veränderungen der betrieblichen Organisation verbunden. Darum sollte sich jeder Firmenchef intensiv mit einem Arbeitsrechtler darüber austauschen, was er wie tun muss und was er speziell für seinen Betrieb darüber hinaus noch besser machen könnte. Daraus folgende Absprachen mit Mitarbeitern oder Betriebsvereinbarungen sollten stets von einem Anwalt auf ihre Sinnhaftigkeit und ihre langfristigen juristischen Konsequenzen geprüft werden. Zudem ist es wichtig, in Arbeitssicherheit geplante Investitionen mit dem Steuerberater durchzurechnen. Dabei kommt es nicht darauf an, jeden Cent umzudrehen und unbedingt zu sparen. Im Gegenteil: Es kann für Sicherheit und Motivation der Mitarbeiter durchaus sinnvoll sein, ihnen mehr als üblich an Arbeitsmaterialien zur Verfügung zu stellen, etwa das paar leichter Arbeitsschuhe als Ergänzung zu den schweren Standard-Tretern. Wichtig ist nur, das zuvor mit dem Steuerberater beispielsweise auf Ansetzbarkeit als Betriebskosten zu prüfen.

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