Serious Games

Spielerisches Lernen funktioniert sogar im Handwerk

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Computerbasierte Simulationen erleichtern die Aus- und Fortbildung im Betrieb. Zudem können sie Schüler für eine Lehre begeistern. Gerade Handwerker sollten dieses Mittel zur Personalsuche stärker nutzen.

Bild von Maedchen am RechnerKaum ein Unternehmer kommt heute am Thema Digitalisierung vorbei. Nur durch den Einsatz digitaler Technologien können viele Firmenchefs bei Produktentwicklung, Herstellung oder Service und Beratung noch im Wettbewerb punkten: der Sattlermeister, der digitale vermessene Sattel exakt dem Pferderücken anpasst; der Zahntechniker, der zum Anfertigen künstlicher Zähne auch auf 3D-Druck setzt; der Zimmermann, der mit einer ausgefeilten Kunden- und Produktdatenbank besser berät als die Konkurrenz; der Friseurbetrieb, bei dem die Kunden per App einen Termin reservieren können und dabei gleich noch Beauty-Tipps auf ihr Smartphone geliefert bekommen. Und immer Händler trauen sich allein oder im Verbund an das Thema Onlineshop heran.

Serious Games dienen dem spielenden Lernen

Bei einem Thema aber haben sich vor allem viele kleinere Betriebe bislang eher zurückgehalten: Dem Einsatz von Serious Games zur Suche und Qualifizierung von Mitarbeitern. Bekannt ist das Konzept der Gamification – was sich mit Spielifizierung übersetzen lässt – schon länger. Kunden sollen dadurch für Kauf oder Nutzung eines Produkts gewonnen werden, indem der Anbieter ihren Spieltrieb fördert – etwa durch den Vergleich der eigenen Leistung per Fitness-App eines Sportartikelherstellers mit den Lauferfolgen anderer Marathon-Fans. Und Beschäftigte mit Computerarbeitsplatz können – anhand eines Spielstands im Menü am Bildschirmrand – sehen, wie viel sie im Vergleich zu ihren Kollegen geleistet haben. De facto waren das aber eher Konzepte für Konzerne oder Unternehmensberatungen. Nun jedoch könnten Serious Games aufgrund zweier sich wechselseitig beeinflussender Trends stärker für Mittelstand und Kleinbetriebe interessant werden: Immer mehr potenzielle Nutzer kommen aus der Generation Digital, sind bei dem Thema also aufgeschlossen – und es gibt nutzwertige Inhalte für Unternehmen auch außerhalb der Technologiebranche.

Neue Mitarbeiter erkunden ihre Aufgaben im Spiel

Spielend lernen wird also für mehr Firmen ein Thema. Wie praxisorientiert solche Serious Games inzwischen sind, zeigt etwa die Lernsoftware „Picknick“ vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML). Sie erleichtert im Bereich Lager, Kommissionierung und Versand, wo die Fluktuation der Beschäftigten sehr hoch ist, das Einarbeiten neuer Mitarbeiter. Die Lernsoftware macht den Nutzer auf einfachem Wege mit spezifischen Vorgängen vertraut – er bearbeitet Aufträge und vollzieht dabei die Aufgaben eines Kommissionierers oder Verpackers nach. Auch Notfallsanitäter können durch Serious Games in Verbindung mit Virtual-Reality-Technologien auf ihre Einsätze vorbereitet werden.

„MeisterPOWER“ für spielerischen Zugang zum Handwerk

An Hochschulen kommen Serious Games schon länger zum Einsatz: Die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) in Aachen etwa nutzt das webbasierte Planspiel „transAction“, damit Studenten als Teil einer Wertschöpfungskette agieren und ihren Spielerfolg durch die im Studium erworbenen Kenntnisse steigern können. Sie verantworten für einen virtuellen Autohersteller die Beschaffung von Material, Maschinen und Personal sowie Planung und Realisierung der Fahrzeugproduktion. Jetzt gibt es auch ein faszinierendes Gamification-Angebot für das Handwerk: Die Online-Lernsoftware „MeisterPOWER“, 2018 nominiert für den Deutschen Computerspielpreis. Der Spieler schlüpft in die Rolle eines Handwerkers, der sich gerade selbständig gemacht hat. Er kann zwischen drei Branchen wählen und muss den Betrieb sukzessive ausbauen, indem er Personal einstellt, Angebote schreibt und passendes Material oder Werkzeug bestellt. Der Baden-Württembergische Handwerkstag (BWHT) ist so begeistert vom Konzept, dass er den Einsatz der Lernsoftware unterstützt.

Für viele Firmenchefs im Handwerk könnte die Software ein wertvoller Türöffner sein, um in Schulen der Umgebung mehr Begeisterung für ihre Branche und ihren Betrieb zu wecken und um Auszubildende zu werben.

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