Stromklau

Regeln Sie den Einsatz privater Elektrogeräte im Betrieb

KOMMENTAR
Beitrag teilen

Unternehmer sollten Regeln zur Nutzung privater Elektrogeräte im Betrieb vorgeben und Mitarbeiter ruhig an den Kosten beteiligen. Gerade das Aufladen von Elektroautos kann nicht nebenher laufen.

Symbol fuer Stromtankstelle auf dem AsphaltZiemlich praktisch – und für Vielfahrer auch unter finanziellen Aspekten sehr interessant: Der Staat fördert den Umstieg auf Elektromobilität nicht nur durch Befreiung der E-Autos von der Kfz-Steuer und eine Kaufprämie, sondern gestattet auch das für den Halter kostenlose Aufladen privater batteriegetriebener Fahrzeuge im Betrieb. Erlauben Arbeitgeber ihren Angestellten, Strom für das eigene Hybrid- oder Elektroauto zu zapfen, bleibt dies steuerfrei. Einzige Voraussetzung: Der finanzielle Vorteil muss zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gewährt werden.

Nicht jede Haustechnik kann Elektroautos betanken

Die (lohn-)steuerliche Betrachtung ist jedoch nur ein Aspekt des Themas. Unternehmer wie Arbeitnehmer sollten sich nicht nur fragen, wer die Kosten trägt, sondern auch kurz über die technische Seite des Ladevorgangs nachdenken. Zwar lässt sich ein Elektroauto an jeder normalen Steckdose betanken. Das dauert aber Stunden und birgt zudem – zumindest bei Gebäuden mit älterer Haustechnik – Sicherheitsrisiken, weil spätestens bei mehreren Fahrzeugen die Elektrik überlastet werden könnte. Hat das Unternehmen keine leistungsstarke, professionelle Stromanlage, mit der bereits große Maschinen und Anlagen betrieben werden, oder wollen künftig mehrere Mitarbeiter ein Elektroauto anschließen, empfiehlt sich schon aus Sicherheitsgründen die Installation einer speziellen Ladeanlage für Elektrofahrzeuge.

Private Elektrogeräte im Büro sind ein Sicherheitsrisiko

Sicherheitsbedenken gelten nicht nur für den Fall, dass jemand das Ladekabel seines stromhungrigen E-Mobils mit der Bürosteckdose verbindet. Die von Beschäftigten mitgebrachte Kaffeemaschine wird für den Firmenchef zum Problem, falls etwas passiert – sei es, dass nach einem Kurzschluss ein Brand ausbricht oder ein Mitarbeiter wegen eines durchgescheuerten Kabels einen Stromschlag erhält. Zwar gelten die Anforderungen zur Prüfung von Arbeitsmitteln nach der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) eigentlich für die Bereitstellung von Arbeitsmitteln durch den Arbeitgeber und ihre Nutzung durch Beschäftigte bei der Arbeit. Allerdings muss der Arbeitgeber im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung laut Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) durchaus ermitteln, ob von privaten Geräten am Arbeitsplatz eine Gefährdung für die Beschäftigten ausgeht. Daher betont die Unfallkasse Berlin, dass solche Geräte regelmäßig technisch geprüft werden müssen – de facto werden sie Arbeitsmittel nach der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV).

Manche Experten möchten Privatgeräte im Betrieb verbieten

Tatsächlich empfehlen manche Experten, den Einsatz privater Elektrogeräte im Unternehmen zu verbieten und so mögliche Brand- oder Verletzungsrisiken abzuwenden. In vielen Betrieben, so die Erfahrung, hat der Firmenchef oder für die Gefährdungsbeurteilung Verantwortliche keine Ahnung, wo überall ein Ventilator, eine Kaffeemaschine, eine elektrische Kühlbox oder ein Luftbefeuchter läuft. Andere Fachleute erkennen zwar das Direktionsrecht der Firmenleitung beim Einsatz privater Elektrogeräte beziehungsweise deren Verbannung generell an, halten strikte Verbote aber trotzdem für arbeitsrechtlich kaum haltbar. Besser wäre es, eine vernünftig ausgestattete Küche einzurichten, um zumindest Kaffeemaschinen und Wasserkocher aus den Büros zu verbannen. Alternativ dazu oder für den Einsatz etwa von Klimageräten empfiehlt sich eine Betriebsvereinbarung. Sie sollte mit Hilfe eines Anwalts formuliert werden und festlegen, dass jedes Privatgerät im Unternehmen anzumelden sowie vor der Inbetriebnahme und in vorgegebenen Abständen gemäß der Regeln laut Betriebssicherheitsverordnung auf seinen ordnungsgemäßen Zustand zu prüfen ist.

Betriebsvereinbarungen zu Einsatz und Kosten schließen

In so einer Betriebsvereinbarung lässt sich gleich die Frage der Stromkosten regeln. Viele Unternehmer drücken nämlich ein Auge zu, wenn Mitarbeiter ihre Smartphones im Betrieb aufladen – obwohl das eigentlich nur mit ausdrücklicher Genehmigung erlaubt und andernfalls Stromklau ist. Rund um die Uhr laufende Kühlboxen oder im Sommer dauernd betriebene Ventilatoren verursachen aber ganz andere Kosten. Daher billigte das Arbeitsgericht Iserlohn, dass die Verwaltung der Stadt Werdohl von ihren Beschäftigten nicht nur die Anmeldung der Geräte verlangte, sondern den Antragstellern auch monatlich einen pauschalen Betrag für den Energieverbrauch in Rechnung stellte – fünf Euro für einen Kühlschrank, vier für Wasserkocher oder Kaffeemaschinen. Der Kläger habe sich mit Anmeldung seines Geräts damit einverstanden erklärt, dass die Energiepauschale vom Lohn abgezogen wird. Die geschlossene vertragliche Vereinbarung sei wirksam und begründe einerseits die arbeitgeberseitige Pflicht zur Gestattung der Gerätenutzung, andererseits aber auch die Pflicht des Angestellten zur Entrichtung der Energiekostenpauschale.

Ungenehmigtes Aufladen eines Akkus gilt als Stromklau

Als Stromklau wertete das Arbeitsgericht Siegen vor einigen Jahren übrigens auch, dass ein Netzwerkadministrator seinen Elektro-Roller für 90 Minuten in einem Vorraum des Rechenzentrums an eine Steckdose angeschlossen und den Akku mit Energie im Wert von 1,8 Cent aufgeladen hatte. Es verwarf die ausgesprochene fristlose Kündigung im Rahmen der Interessenabwägung nur, weil der Mann fast 19 Jahre beanstandungsfrei im Betrieb war, keine Wiederholungsgefahr anzunehmen sei und der beim Unternehmen eingetretene Schaden mit 1,8 Cent „hart an der Grenze des Messbaren“ liege.

Beim Aufladen von leistungsfähigen Elektroautos geht es um ganz andere Summen – und auch beim Betrieb energiehungriger Kühlgeräte. Grund genug, mit Rechtsanwalt, Steuerberater und gegebenenfalls Elektriker die passenden rechtlichen und technischen Bedingungen zum Einsatz privater Elektrogeräte im Betrieb sowie das staatlich erwünschte Betanken von E-Autos im Unternehmen zu schaffen.

  • Sie möchten künftig keine wichtigen Tipps für Ihr Unternehmen verpassen? Dann lassen Sie sich von uns informieren, wenn es Neues gibt!