Bargeld

Die Geldwäscherichtlinie betrifft mehr Unternehmer als gedacht

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Immer mehr Kunden wollen Rechnungen in Cash zahlen, weil sie Bargeld horten. Jeder kleine Handwerksbetrieb oder Dienstleister kann so unter die Geldwäscherichtlinie fallen. Er muss sich dem Thema stellen.

In Wiesbaden fahndet die Polizei gerade nach einem äußerst erfolgreichen Trickbetrüger-Trio. Während eines fingierten Handwerker-Noteinsatzes gelang es ihm, Geld und Schmuck im Wert von 180.000 Euro aus einem Eigenheim-Tresor zu räumen. Offenbar horten derzeit nicht nur Banken tonnenweise Bargeld, sondern auch viele Bürger. Laut Bundesbank gaben die Finanzinstitute zur Euro-Einführung im Jahr 2002 Scheine und Münzen im Wert von 220 Milliarden Euro aus. Ende 2016 waren schon 1,126 Billionen Euro an Bargeld im Umlauf, Tendenz steigend. Ein wesentlicher Grund: Matratzen- oder Tresor-Sparer horten Geld aus Angst vor Negativzinsen, die einige Banken bereits an Endkunden weitergeben. Manche Bargeld-Fans fürchten außerdem, der Staat könne sich in der nächsten Finanzkrise über eine Zwangsabgabe auf jedes Konto bei ihrem Ersparten bedienen – wovor nur die Schein-Sammlung in den eigenen vier Wänden schützt. Und auch die in den vergangenen Jahren regelmäßig aufflackernde Debatte um ein mögliches schrittweises Bargeldverbot hat sicher dazu beigetragen, dass Kunden bewusst am Bargeld als Zahlungsmittel festhalten.

Geplant war die Geldwäscherichtlinie für Autohändler oder Juweliere

Unabhängig davon, wie real die Gefahr ist: Mit dem Horten großer Mengen an Bargeld – und dem damit verbundenen Bezahlen auch höherer Rechnungen in Cash durch viele Kunden – droht die 2017 in Kraft getretene Geldwäscherichtlinie so manchen Unternehmer zu treffen, für den die Gesetzesverschärfung eigentlich gar nicht geplant war. Eigentlich wird bei Gewerbetreibenden mit erheblichem Bargeldverkehr ja eher an Autohändler oder Juweliere gedacht. Horten die Bürger aber viel Bargeld, wollen sie auch anderswo zunehmend größere Summen mit Scheinen zahlen: Das Hochzeitsbuffet beim Metzger, die High-End-Stereoanlage beim Elektrohändler, die hochwertige Trekkingausrüstung für den nächsten Urlaub beim Outdoorspezialist, bisweilen sogar die neue Heizung beim SHK-Handwerker – und zwingt den Firmenchef so, sich intensiver mit dem Thema Geldwäsche auseinander zu setzen.

Bei vielen Barzahlungen erreichen viele Unternehmer eine Grauzone

Klar: Barzahlung ist nicht illegal, es gibt eine Menge Anhänger des Mottos „Nur Bares ist Wahres“. Allerdings liegt der Knackpunkt für Unternehmer darin, dass Kunden mit Blick auf Negativzinsen nicht mehr nur vereinzelt, sondern immer öfter größere Geschäfte bar abwickeln wollen. So wird die für die Geldwäscherichtlinie maßgebliche Grauzone womöglich erreicht. Und dann? Bislang löst mancher sonst nur mit Kleingeld hantierende Unternehmer solche Einzelfälle, indem er mit dem Kunden gemeinsam zur Bank geht, wo dieser die Rechnung per Bareinzahlung auf das Geschäftskonto begleicht. So obliegen dem Finanzinstitut die mit dem Bargeld verbundenen Pflichten, und der Unternehmer ist aus dem Schneider. Das Prozedere verhindert auch, dass ihm Falschgeld untergejubelt wird. Allerdings kosten solche Einzahlungen in der Regel eine nicht zu knappe Gebühr – nichts ist bei Banken teurer als der Bargeldverkehr. Und dann ist es natürlich auf Dauer auch für alle Beteiligten umständlich. Daher sollten ruhig alle Firmenchefs, die eine Zunahme an Bargeldzahlungen spüren, bei Gelegenheit ihren Steuerberater fragen, wie sie die mit der Geldwäscherichtlinie verbundenen Pflichten im Fall der Fälle sinnvoller erfüllen könnten. Hier geht es um Aufzeichnungs- und Dokumentationspflichten.

Auch an die Eintragung ins Transparenzregister denken

Mit der Geldwäscherichtlinie in Zusammenhang steht auch das Transparenzregister. Hier war bis kurz vor Start Ende 2017 lange unklar, wer genau durch welche Information dazu beitragen muss. Das ist nun klarer. Link 8 Wer bereits von öffentlichen Registern erfasst ist, braucht den Registereintrag wohl nicht. Viele Unternehmer aber werden unabhängig von der Frage, ob und mit wieviel Bargeld ihr Betrieb hantiert, zur Eintragung verpflichtet sein. Klar ist auch, dass selbst Startups hohe Bußgelder riskieren, wenn sie der Meldepflicht nicht oder zu langsam nachkommen. Die Frage nach dem Eintrag in das Transparenzregister sollten Unternehmer also ebenfalls schleunigst klären – und hierfür bei Zweifeln lieber einmal zu viel ihren Steuerberater oder Rechtsanwalt anrufen als einmal zu wenig.