Arbeitsrecht

Fünf Tipps für einen friedlichen Sportgenuss während der Arbeit

KOMMENTARE
Beitrag teilen

Fußball-WM im Sommer, Olympische Spiele im Winter – viele Sportereignissen fallen in die Kernarbeitszeit. Mit etwas Flexibilität können Unternehmer den Mitarbeitern zumindest etwas Live-Genuss ermöglichen.

Nun schießen, springen und laufen sie also endlich – um 12 Uhr deutscher Zeiten haben im südkoreanischen Pyeongchang mit der Eröffnungsfeier die Olympischen Winterspiele 2018 auch offiziell begonnen, nachdem gestern die ersten Qualifikationswettkämpfe im Curling und Skispringen stattgefunden hatten. Wie alle sportlichen Großereignisse in Südostasien und Australien stellen auch diese Spiele die Fans vor eine besondere Herausforderung. Wegen der acht Stunden Zeitverschiebung gehen die Fernsehübertragungen gegen 2 Uhr morgens deutscher Zeit los. Zahlreiche Entscheidungen in beliebten Einzel- oder Teamdisziplinen werden in der Mittagszeit fallen. Wer live am Bildschirm mitfiebern will, muss das also genau dann tun, wenn in den meisten deutschen Betrieben die Kernarbeitszeit gilt.

Fernsehen am Arbeitsplatz ist grundsätzlich tabu

In den nächsten beiden Wochen dürfte bei manchem Firmenchef also ein besonderes Maß an Diplomatie und Feinfühligkeit gefragt sein, wenn er mit seinen Beschäftigten das Thema „Sportgenuss am Arbeitsplatz“ besprechen muss – und erst recht mit Blick auf den Sommer, wenn die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland ansteht. Rein rechtlich sagt die überwiegende Zahl der Juristen dazu: „Fernsehen am Arbeitsplatz ist tabu.“ Eigentlich ja auch logisch: Wer permanent auf den Bildschirm starrt und dem Reporter zuhört, kann gleichzeitig – selbst mit außergewöhnlichen Multitasking-Fähigkeiten – vermutlich kaum vernünftig seine Aufgaben erfüllen. Dies meinte beispielsweise auch das Arbeitsgericht Köln. Es hielt die Abmahnung eines Beschäftigten für gerechtfertigt, der während seiner Arbeitszeit für rund 30 Sekunden eine Fußballübertragung angesehen hatte. Beim Gang durch den Betrieb hatte der Mann kurz mit einem Kollegen geredet, der gerade in seiner Pause ein Spiel anschaute, und war selbst kurz vor dem Bildschirm stehen geblieben.

Auch Liveticker und Streams im Internet sind verboten

Das Sportverbot bezieht sich übrigens nicht nur auf klassische Fernsehgeräte, sondern auch auf den TV-Genuss via Internetstream. „Fernsehen und Internet lenken von der Arbeit ab, ebenso die beliebten Liveticker. Das muss der Arbeitgeber nicht hinnehmen“, so Arbeitsrechtler Michael Eckert, Vorstandsmitglied im Deutschen Anwaltverein (DAV). In diesem Falle gelte nicht einmal das Gewohnheitsrecht, der Unternehmer könne also beispielsweise eine Ausnahme zur Fußball-WM machen, aber alle anderen Sportveranstaltungen von den Bildschirmen verbannen. Möglich wäre dagegen – falls nicht objektive Gründe dagegen sprechen – das Anhören von Übertragungen im Radio. Laut Bundesarbeitsgericht ist ein generelles Radioverbot am Arbeitsplatz nicht ohne weiteres zulässig. Weil Radiohören nicht das Arbeitsverhalten (also das Direktionsrecht), sondern das Zusammenleben und Zusammenwirken der Arbeitnehmer im Betrieb (also die betriebliche Ordnung) betreffe, müsse für eine generelle Regelung der Betriebsrat ins Boot geholt werden.

Fernsehzimmer und Pausenregelung können helfen

Aber selbst wenn Sie als Firmenchef alleine die Regeln machen können, sollten Sie beim Thema „Live-Sport“ immer den Ausgleich mit Ihren Beschäftigten suchen, sofern die betrieblichen Abläufe dies zulassen. Zumindest den Genuss wichtiger Finalentscheidungen können Sie Ihren Mitarbeitern mit etwas Flexibilität vielleicht ermöglichen und so für ein gutes Betriebsklima sorgen – wobei in Einzelfall auch die Rücksprache mit einem Anwalt sinnvoll wäre, was geht und was nicht.

  • Richten Sie für wichtige Entscheidungen ein Fernsehzimmer ein, wo die Sportübertragung läuft.
  • Ermöglichen Sie den Mitarbeitern, Pausen in Absprache mit Vorgesetztem oder Kollegen auf für sie interessante Finale abzustimmen.
  • Gestatten Sie – wenn es nicht dem Arbeitsschutz widerspricht – Radiohören per Kopfhörer, um Kollegen vor hyperventilierenden Kommentatoren zu schützen.
  • Gewähren Sie im Dienstplan bei Schichtbeginn und -ende eine gewisse Flexibilität, falls jemand rechtzeitig zum Finale vor dem eigenen Fernseher sein will.
  • Geben Sie kurzfristigen Urlaubsanträgen statt, solange keine betrieblichen Erfordernisse dagegen sprechen.