Kriminalität

Wie ein „Ja“ am Telefon für Unternehmer teuer wird

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Alte Betrugsmaschen wie die gefälschte Rechnung für den Registereintrag ziehen immer noch. Neue wie der Zusammenschnitt aus einem Telefonat kommen hinzu. Aber Unternehmer können sich schützen.

Unternehmer werden ständig von Betrügern ins Visier genommen – über die inzwischen bundesweit verbreitete „Kölner Masche“ beispielsweise haben wir berichtet. Nun erlebt offenbar ihre Urform, ein eigentlich alter Trick, eine Renaissance. Klar: Jede neue Unternehmergeneration, die ein Thema noch nicht kennt, lässt sich wieder leichter übers Ohr hauen als die älteren, bereits gewarnten Firmenchefs. Zur Sache: Wer eine UG oder GmbH ins Handelsregister eintragen lässt oder auch einen Verein, könnte bald ein gefälschtes Amtsschreiben erhalten, das Gebühren für den Verwaltungsakt fordert. Auch nach markenrechtlichen Eintragungen kommen bisweilen noch Jahre später Zahlungsaufforderungen von Betrügern. Meist geht es um Summen zwischen 500 und 1.500 Euro.

Gefälschte Rechnungen für den Eintrag ins Handelsregister

So alt die Masche mit den Registereinträgen ist, so professionell – und erfolgreich – agieren die Gauner inzwischen. Ihre Briefe sehen einem echten Amtsschreiben mittlerweile täuschend ähnlich und erwischen Unternehmer stets in einer üblicherweise arbeitsintensiven Phase. Vielen Empfängern fehlt da die Zeit, genau hinzuschauen. Sie weisen den Betrag etwa aus Angst vor einer Fristversäumnis ohne weitere Prüfung an und merken erst später, dass sie reingelegt wurden. Polizei und Anwälte warnen vor der Abzocke, auch in einschlägigen Social-Media-Gruppen. Ein dort veröffentlichtes Beispiel zeigt, wie gut die Fälschungen sind. Im Briefkopf der Bundesadler, dann der Hinweis, die elektronische Veröffentlichung der Unternehmensdaten sei bereits im Internet abrufbar, sowie ein Überweisungsträger und Kostennote über 834,19 Euro inklusive Umsatzsteuer. Nur die Internetadresse mit .eu-Endung wirkt merkwürdig. Auch Behörden warnen vor den gezielt agierenden Betrügern. „Solche Schreiben entfalten für sich allein keinerlei Rechtswirkung, eine Zahlungsverpflichtung gegenüber dem Aussteller wird hierdurch nicht begründet.“

Nur winzige Fehler entlarven die Zahlungsaufforderungen

Auch wenn im Betrieb gerade viel los ist: Unternehmer sollten Zahlungsaufforderungen und deren Berechtigung stets genau prüfen, dann lassen sich Fälschungen meistens erkennen. Die Bankverbindung etwa könnte im Ausland sein oder die Absenderadresse in der falschen Stadt. Manche Schreiben bezeichnen die Gebühr als „fakultativ“, also freiwillig. Die Polizei hat einen Überblick mit den Anhaltspunkten für die verschiedensten Arten von Betrugsversuchen zusammengestellt. Unternehmer können solche Schreiben unbesorgt in den Papierkorb werfen. Wer sich nicht sicher ist, sollte seinen Anwalt oder Steuerberater fragen. Sinnvoll ist auch, das Schreiben zur Information an die jeweilige Kammer oder den Deutschen Schutzverband gegen Wirtschaftskriminalität e.V. weiterzuleiten, der auch über aktuelle Fälle informiert.

Betrüger schneiden Telefonat mit und fälschen den Inhalt

Vorsichtig müssen Unternehmer auch am Telefon sein. Manche Anrufer geben vor, es gehe um einen kostenlosen „Datenabgleich“ für irgendwelche Eintragungen. Andere behaupten, der Unternehmer habe seine Daten irgendwo eingegeben – und legen auf, wenn er darum bittet, das angeblich Eingetragene oder Angeforderte schriftlich zuzusenden. Besonders fies ist die Masche, Gesprächspartner am Telefon zum Ja-Sagen zu bewegen und das Wort als Zustimmung in ein angebliches Verkaufstelefonat zu schneiden – fertig ist der Vertrag über 500 Euro. Dies betrifft Unternehmer wie Verbraucher. Wer sich gegen einen durch zusammengestückelte Telefonmitschnitte zustande gekommenen Vertrag wehren muss, bleibt nicht selten auf den Verfahrens- und Anwalts- oder Gerichtskosten sitzen. Achtung: Manche Betrüger kommen mit der simplen Frage „Hören Sie mich?“ aus. Unternehmer sollten sich das Ja-Sagen fremden Anrufern gegenüber tunlichst abgewöhnen.

Keine leichte Übung. Eine Unternehmerin gab in einem Forum den Tipp, sie sage Unbekannten am Telefon mittlerweile nur noch „Genau“ statt „Ja“. Solche Gespräche beenden Betrüger meist rasch. Misstrauen und stete Wachsamkeit sind eben der beste Schutz vor Abzocke. Auch zur Weihnachtszeit.