Präsentismus

Wenn Zuhausebleiben das Beste für den Betrieb ist

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Bei Erkältungen oder grippalen Infekten schleppen sich viele Mitarbeiter krank ins Unternehmen. Dort stecken sie Kollegen an und machen Fehler. Der Chef sollte dafür sorgen, dass sie sich zu Hause auskurieren.

 

Geschlossene Schneedecke am Sonntag, fast frühlingshafte Temperaturen zur Wochenmitte, ein paar Tage später ein Kälteeinbruch, zwischendurch Nieselregen und heftige Windböen – derzeit lässt sich in vielen Regionen wieder gut nachvollziehen, warum sich beim Übergang vom Herbst in den Winter verstärkt grippale Infekte breitmachen. Kaum ein Betrieb ohne schniefende und hustende Kollegen. Klar, man steckt sich nicht nur um diese Jahreszeit an – die Wahrscheinlichkeit ist derzeit aber am größten. Das wiederum sollte unbedingt den Firmenchef auf den Plan rufen.

Wer krank arbeitet, kostet den Betrieb 2.400 Euro pro Jahr

Am Fingerspitzengefühl des Chefs hängt die Produktivität, ja sogar die Funktionsfähigkeit des Unternehmens in Zeiten grippaler Infekte. Wer in Büros oder Werkshallen das große Keuchen bemerkt, tut gut daran, kränkelnde Mitarbeiter heimzuschicken, statt angeschlagen arbeiten zu lassen. Der Grund dafür ist so gut belegt, dass erstaunt, warum die Zahlen ständig neu auf den Tisch müssen. Eine Studie der Unternehmensberatung Booz & Company im Auftrag der Felix Burda Stiftung hat ergeben: Kranke Angestellte am Arbeitsplatz kosten eine Firma im Schnitt 2.400 Euro pro Jahr – rund doppelt so viel wie Mitarbeiter, die zu Hause bleiben, wenn sie krank sind.

Lassen Sie etwas mehr Spielraum bei Attest und Arztbesuch

Am besten ist, wenn Sie als Firmenchef für ein Betriebsklima sorgen, in dem Krankheit nicht als Schwäche, Karrierehemmnis oder Verrat an den Kollegen gilt. Eine Kultur des akzeptierenden „Wer krank ist, ist krank“ hilft nicht nur Mitarbeitern, die Erkrankungen besser auskurieren können, sondern auch dem Unternehmen – weit mehr als Präsentismus. Schleppen sich kranke Mitarbeiter ins Büro, liegen nicht selten am Ende alle flach. Setzen Sie einfach etwas mehr Vertrauen in Ihre Beschäftigten, und verlangen Sie nicht am ersten Tag die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Der erkrankte Mitarbeiter ist im Bett besser aufgehoben als in einem bazillenverseuchten Wartezimmer – es sei denn, der Besuch ist medizinisch notwendig. Wer Mitarbeiter heimschickt oder Sonntagsarbeit bei der Lohnfortzahlung zu berücksichtigen hat, muss den Steuerberater fragen, wie er die Krankheitstage korrekt ansetzt und die Lohnfortzahlung berechnet. Ganz trivial ist das nicht.

Ein gutes Betriebsklima ist gut für die Gesundheit

Generell gilt: Den Krankenstand senkt, wer für ein positives Betriebsklima sorgt, die Mitarbeiter lobt, gut und aufmerksam mit ihnen kommuniziert, auch mal Danke sagt. Eine AOK-Studie nennt das Betriebsklima als wichtigsten Auslöser für einen hohen Krankenstand. Auch die Räumlichkeiten spielen eine Rolle. Die Klimaanlage als Klassiker unter den Virenschleudern ist ebenso erkältungsfördernd wie trockene Heizungsluft. Dass viele Menschen in einem Raum das Erkältungsrisiko erhöhen, ist laut einer schwedischen Studie erwiesen: Wer in einem Großraumbüro sitzt, erkrankt fast doppelt so oft wie jemand in einem kleinen Büro. Vielleicht auch deshalb scheint die Begeisterung für Großraumbüros abzuebben. Längst haben sich die Nachteile dieser Form von Arbeitsorganisation erwiesen – unter anderem auch sinkende Produktivität bei steigendem Stresspegel.

Auch Home-Office kann den Krankenstand senken

Wirklich radikal und natürlich nicht in jedem Betrieb realisierbar ist ein anderer Ansatz, den Krankenstand zu senken: Wie wäre es mit mehr Home-Office? Klar, das gilt nur für ausgewählte Büroarbeiter – aber jede Erkrankung kann für das Unternehmen teuer werden, deshalb sollte jedes Gegenmittel ausprobiert werden. Das Home-Office etwa reduziert nicht nur die Ansteckungsgefahr im Betrieb, sondern – gerade in Erkältungs-Hochzeiten ein kaum zu unterschätzender Faktor – schon das Risiko, sich beim Pendeln in öffentlichen Verkehrsmitteln etwas einzufangen.