Personalführung

Perfektionisten schaden dem Unternehmen

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Unter der Suche nach der perfekten Lösung leiden oft Gesundheit, Leistung und Qualität. Unternehmer sollten lernen, manche Dinge lockerer zu nehmen – und ihren Mitarbeitern mehr Entspanntheit erlauben.

 

Ich möchte wirklich nicht der Schlamperei das Wort reden – erst recht nicht im Betrieb. Aber an dem Spruch „Lieber schlampig glücklich als ordentlich gestresst“ ist schon etwas dran. Immerhin gehören die Nerven zum wichtigsten Kapital eines Unternehmers. Deshalb ist zu viel Perfektion auch – oder gerade – für den Chef nicht gut. Dafür gibt es einen einfachen Grund: Perfektionismus ist nicht effizient. Perfektionisten arbeiten unnötig lange, um ihr Ziel zu 100 Prozent zu erreichen, obwohl fast immer 80 Prozent der Zeit für ein mehr als ausreichendes Ergebnis genügt hätten. Ökonomen nennen dies das Pareto-Prinzip. Auf das Zeitmanagement bezogen, lautet ihre Erkenntnis: Der meiste Aufwand fließt in die letzten, meistens gar nicht so wichtigen 20 Prozent einer Arbeit – die das Ganze eben perfekt machen sollen. Der Rat der Zeitmanagement-Experten: sich locker machen.

Mehr Entspanntheit ist oft die Basis für bessere Ergebnisse

Das Pareto-Prinzip kann noch mehr. Es hilft beispielsweise dabei, die größten Gewinnbringer unter Produkten oder Dienstleistungen zu identifizieren und findet auch Anwendung bei politischen Ökonomen in der Fairnessforschung – woher das Prinzip des italienischen Wohlfahrtsökonomen Vilfredo Pareto ursprünglich stammt. Es hat viel mit Ausgleich zu tun. Und eben Lockerheit. Vielleicht ist es kein Zufall, dass sein Erfinder aus dem vermeintlichen Land des Dolce Vita stammt, von dem wir uns hier ruhig etwas abschauen sollten – neben besonders krosser und leckerer Pizza zum Beispiel auch eine gewisse Entspanntheit in manchen Dingen.

Auf die Relation zwischen Aufwand und Ergebnis achten

Für mehr Lockerheit hat kürzlich auch das Magazin „CIO“ plädiert – als guter Rat an die vielen aufstiegswilligen Berufstätigen, die im Betrieb stets alles geben, nie Nein sagen und die perfekte Leistung liefern wollen. Nur, dass sie sich dabei in aller Regel übermäßig stressen und nicht selten auch verzetteln. Anders als beabsichtigt, tun sich solche Perfektionisten nach Meinung von „CIO“ auch beruflich keinen Gefallen: „Sie erwecken den Eindruck, dass sie ihre Arbeit nicht oder nur unter erheblichem Mehraufwand schaffen.“ Vermutlich ist an dieser Einschätzung eine Menge dran: Wer sich richtig in ein Thema verbeißt, weil er es komplett durchdringen will, droht das Gefühl für die Relation zwischen Aufwand und Ergebnis zu verlieren und wirkt mitunter so, als sei er mit Scheuklappen unterwegs, um nicht von der Jagd nach der perfekten Lösung abgelenkt zu werden.

Nehmen Sie das Thema Zeit- und Selbstmanagement ernst

Sie als Firmenchef betrifft das Thema also gleich doppelt: Sie müssen Ihren eigenen Perfektionismus im Griff haben und zugleich den Mitarbeitern nahebringen, dass eine gute Lösung nicht immer auch perfekt sein muss. Klappt dies nicht, drohen Gefahren für die Gesundheit der entsprechenden Mitarbeiter ebenso wie für das Betriebsklima. Das Magazin „impulse“ gibt Tipps, wie solche Mitarbeiter sinnvoll geführt werden können. Und Sie als Unternehmer sollten sich ehrlich fragen, ob nicht auch Sie etwas zu perfektionistisch sind oder Ihren Beschäftigten aus anderen Gründen als, naja, problematisch gelten. Interessant wäre auch die Frage, ob Sie von Ihren Leute so behandelt werden, wie es der Blog „karrierebibel“ empfiehlt. Das könnte ein Warnhinweis sein …

Prüfen Sie Abläufe darauf, ob das Richtige gemacht wird

Was also tun? Das Zauberwort heißt delegieren, und hilfreich ist natürlich immer ein funktionierendes Zeit- und Selbstmanagement. Eigentlich sollte jeder gute Chef das können, notfalls muss er es lernen. Das hat viele Vorteile, für die Motivation der Mitarbeiter ebenso wie für die eigene Gesundheit. Und ganz im Ernst: Es müssen wirklich nicht 100 Prozent sein, 80 Prozent reichen in der Regel aus. Viel wichtiger könnte sein, in gesundheitlich oder sicherheitstechnisch relevanten Bereichen mal grundsätzlich die Abläufe unter die Lupe zu nehmen, um Fehlerquellen zu beseitigen oder an der Qualität zu schrauben. Wenn nämlich gar nicht das Richtige gemacht wird, liefern selbst 110 Prozent Einsatz kein perfektes Ergebnis.