Arbeitsrecht

Verhindern Sie Sabotageakte nach Kündigung oder Entlassung

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Wird ein Mitarbeiter gefeuert oder geht er selber, droht das Risiko eines „Abschiedsgrußes“. Damit weder Ruf noch Arbeitsfähigkeit des Betriebs beschädigt werden, müssen Unternehmer sich davor schützen.

Was für eine Inszenierung: Ein scheidender Twitter-Mitarbeiter hat vor kurzem den privaten Account des US-Präsidenten Donald Trump vorübergehend abgeschaltet. Elf Minuten war das Konto @realDonaldTrump mit 43 Millionen Followern nicht erreichbar, es kam die Meldung: „Entschuldigung, diese Seite existiert nicht.“ Seine Gegner waren erfreut – zumindest kurzzeitig konnte Trump über die sozialen Netzwerke keine Unruhe verbreiten. Twitter war blamiert – erst war von „versehentlich deaktiviert“ die Rede, bis das Unternehmen zugab, jemand aus der Kundenbetreuung habe den Account an seinem letzten Arbeitstag lahmgelegt.

Scheidende Mitarbeiter können Risiko für den Betrieb sein

Unabhängig davon, was man von Trump hält und vom Versuch, ihn technisch mundtot zu machen – dieser Fall sollte jedem Firmenchef schlagartig ins Bewusstsein rufen, dass scheidende Mitarbeiter ein potenzielles Risiko für den Betrieb sein können. Bei Twitter ging es weniger darum, dem Unternehmen zu schaden, als Trump einen Denkzettel zu verpassen. Andere Beispiele zeigen, wozu enttäuschte oder übermütige Beschäftigte am letzten Arbeitstag fähig sind.

Mal ist der Ruf gefährdet, mal der Umsatz oder eine Lizenz

„Nur“ peinlich für den Arbeitgeber war die Abrechnung des Goldman-Sachs-Angestellten, der in der „New York Times“ über die Investmentbank schrieb: „Es macht mich krank, wie kaltschnäuzig die Leute darüber reden, ihre Kunden abzuzocken.“ Oder die Twitter-Meldung eines Kochs zu seinem Rauswurf über den Twitter-Account des Unternehmens, den er gekapert hatte: „Unglücklicherweise wollte er ein freies Wochenende und den Weihnachtstag mit der Familie verbringen, also mussten wir ihn feuern.“ Oft aber bleibt es nicht bei Imageschäden – der Betrieb erleidet wirtschaftliche oder strafrechtliche Konsequenzen. In den USA legte ein Ingenieur das Funksystem lahm, mit dem seine Firma die Wasserzähler vieler Haushalte ablas, und änderte Passwörter in „fuckyou“. In Hessen löschte ein Angestellter nach einem Gespräch über einen Aufhebungsvertrag die Daten zu Kundenbeziehungen, die er bei seiner Tätigkeit gepflegt hatte. In Weißrussland speiste ein gefeuerter TV-Techniker zur besten Sendezeit einen Sexfilm ins Programm ein, was zu Ermittlungen gegen die TV-Station führte. Am letzten Arbeitstag unbekleidet ins Büro zu kommen, um ein Statement zu machen, wirkt dagegen regelrecht harmlos.

Klären Sie Freistellungen und Datenzugriffe mit dem Anwalt

Die Beispiele zeigen: Am letzten Arbeitstag kann viel passieren, wenn ein scheidender Mitarbeiter länger unzufrieden war oder zu Kurzschlusshandlungen neigt. Ohne alle Beschäftigten unter Generalverdacht stellen zu wollen – Unternehmer sind gut beraten, mit dem Anwalt grundsätzlich die Gefahr möglicher Racheakte nach Kündigungen zu besprechen und eventuell Gegenmaßnahmen ins Auge zu fassen. Die müssen natürlich rechtlich abgesichert sein. Denkbar ist unter anderem folgende Vorgehensweise:

Einschätzung: Ist jemand, der den Betrieb verlassen wird, für nachtragendes Verhalten bekannt? Hat er sich schon mal für vermeintliches erlittenes Unrecht revanchiert oder so etwas zumindest angekündigt? Dies gilt auch für Beschäftigte, die selbst gekündigt haben.

Datensicherung: Sind Daten zu Kunden und Projekten des Mitarbeiters nur bei ihm oder auch zentral gespeichert? Liegen keine Sicherheitskopien vor, sollten Sie diese erstellen lassen. Das geht oft nur mit Kooperation des Betroffenen, der Zugriff Dritter auf auch privat genutzte Firmenaccounts etwa kann dem individuellen Datenschutz unterliegen.

Datenzugriff: Klären Sie mit dem Anwalt und Ihren IT-Experten, ob, wann und in welchem Umfang der Zugriff des Gekündigten auf allgemeine Firmendaten sowie auf die Daten zu seinen Kunden und Projekten gesperrt werden kann. Das verhindert Sabotageakte oder die Entwendung von Betriebsgeheimnissen und Kundendaten.

Freistellung: Unabhängig davon, wer die Kündigung ausgesprochen hat und wie gut das Klima zwischen beiden Seiten vorher immer war – eine Freistellung per sofort oder möglichst schnell sowie eine rasche Information der Mitarbeiter und Kunden sind in der Regel die beste Alternative. Dann liegen die Karten auf dem Tisch, jeder weiß Bescheid, und der scheidende Mitarbeiter hat weniger Gelegenheit, an seinem letzten Tag noch einen „Abschiedsgruß“ zu hinterlassen.

Rechtsanwalt: Vor allem aber gilt es, jede Reaktion vorher mit dem Anwalt abzusprechen. Handelt der Firmenchef unbedacht, kann er durch juristisch fragwürdige Aktionen selbst noch unerwartete Probleme bei der Trennung heraufbeschwören, eventuell mit teuren Folgekosten – etwa beim Verstoß gegen den Datenschutz durch einen unbefugten Zugriff auf geschützte Informationen.