Personalsuche

Locken Sie Fachkräfte doch mit einem Mietvertrag

KOMMENTARE
Beitrag teilen

Der Wohnungsmangel könnte der Werkswohnung zur Renaissance verhelfen. Doch vor Bau oder Kauf von Immobilien für Mitarbeiter müssen Firmenchefs mit Anwalt und Steuerberater einiges klären.

Haben Sie schon mal darüber nachgedacht: In vielen Regionen ist der Fachkräftemangel auch eine Folge der Wohnungsnot – nicht nur in Städten wie München, sondern ebenso in manch kleinerer Gemeinde, wo ein heimlicher Weltmarktführer sitzt. Wer dort einen Job antritt, muss manchmal ganz schön weit pendeln, da er in der Nähe des Betriebs keine geeignete Immobilie findet. Die Fahrerei belastet die Gesundheit, das Wohlbefinden, die Umwelt. Und aus vielerlei Gründen rechnet sie sich noch nicht mal, so die „Wirtschaftswoche“. Bei diesem Thema muss ich immer an eine Wohnung hier im Haus denken. Die über die Jahre hinweg regelmäßig wechselnden Mieter waren stets für zwölf Monate bei demselben Betrieb zur Weiterbildung. Es war zwar keine Werkswohnung im eigentlichen Sinne – die Zimmer gingen stets informell befristet an den jeweils neuen Kollegen. Aber von der Konstruktion profitierten Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Werkswohnungen werden mit Kohle und Stahl verbunden

Früher gab es das öfter, Werkswohnungen. Ich erinnere mich an die Familie meiner langjährigen Schulfreundin, die dort wohnte – etwas außerhalb, hinter den Toren einer kleinen Gärtnerei. Für viele ist die Werkswohnung mit den Kohle- und Stahlkonzernen im Ruhrgebiet verbunden. Und nach der Krise beider Branchen verzeichnete der Werkswohnungsbau in den Achtzigerjahren auch einen massiven Knick. Viele heute börsennotierte Wohnungsunternehmen entstanden aus dem Immobilienbestand, den Zechen- oder Hochofenbetreiber damals verkauften, da der Wohnungsmarkt entspannt war. Doch mit Blick auf die sich zunehmend verschärfende Wohnungsnot dreht sich der Trend gerade wieder in Richtung Mitarbeiterwohnung, wie die Werkswohnung heute moderner und wohl auch treffender heißt.

Mitarbeiterwohnungen lösen gleich mehrere Probleme

Manche Experten sprechen von Trend, andere lieber von einem „zarten Pflänzchen“. Fakt ist: Nicht nur Konzerne greifen den Gedanken der Mitarbeiterwohnung wieder auf. Solche Immobilien können – unabhängig von der Unternehmensgröße – gleich mehrere Probleme lösen. Wer freie Wohnungen im Angebot hat, wird sich bei der Suche nach Fachkräften leichter tun. Und sei es auch nur das eine kleine Apartment, das einem für den Arbeitsplatz umziehenden Mitarbeiter genug Zeit verschafft, vor Ort selbst etwas Gutes zu finden – oder Probezeit oder Praktikum ohne Stress zu überbrücken. Außerdem sind Immobilien für Selbständige grundsätzlich ein interessantes Investment für die Absicherung im Alter. Warum also nicht gleich die Vorsorge für später mit der Lösung aktueller Personalengpässe verbinden?

Mietrechtliche und steuerliche Besonderheiten klären

Wichtig ist jedoch eine durchdachte Planung – von der Frage, ob Mitarbeiterwohnungen vom Unternehmen gehalten werden sollten oder vom Firmeninhaber privat, bis zur Kalkulation der Miete. Sie darf schon aus steuerlichen Gründen für beide Seiten nicht zu niedrig sein, sonst muss der eine Steuern für den geldwerten Vorteil zahlen und der andere – weil die Einnahmen unter der marktüblichen Vergleichsmiete liegen – mit dem Fiskus darum kämpfen, dass er seine Bau- oder Anschaffungskosten steuerlich geltend machen kann. Unternehmer haben vor Angebot und Vermietung von Mitarbeiterwohnungen also viel mit dem Steuerberater zu besprechen – am besten schon die erste Kalkulation der Investition. Wer noch nicht vermietet, muss sich zudem mit Mietrecht beschäftigen. Ganz wichtig ist der anwaltliche Rat, wie Arbeits- und Mietvertrag aufeinander abzustimmen sind – ein Mitarbeiter soll mit Ausscheiden aus dem Betrieb ja eigentlich auch die Wohnung räumen.