Marketing

Werben Sie ruhig laut – aber mit dem passenden Motiv

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Wer Reklame auf Autos oder Bussen platziert, erreicht viele potenzielle Kunden. Aber die Wahl des Motivs ist oft eine Gratwanderung zwischen Aufmerksamkeit gewinnen und Empörung auslösen.

Werbung ist eine zweischneidige Angelegenheit. Wer sich in eine scheinbar gute Idee verliebt, ohne die ganze Sache noch mal mit etwas kritischer Distanz zu hinterfragen, schießt mit einer vermeintlichen Super-Aktion leicht übers Ziel hinaus. Der Grat zwischen Aufmerksamkeit gewinnen und Empörung auslösen ist schmal. Läuft es dumm, endet das Marketing sogar – man muss es bei der derzeit durch Presse und soziale Medien gehenden Posse so sagen – mit einem Griff ins Klo. Auch wenn hier vielleicht nicht ganz auszumachen ist, für wen. Ein Schuldirektor hatte einen Sanitär-Handwerker wegen eines Aufdrucks auf dessen Lieferwagen mit einem Hausverbot belegt – von der Seite sah es so aus, als sitze der Fahrer auf der Toilette. Dafür erntete der Direktor viel Spott. Offenbar war er der Erste, dem die Werbung übel aufstieß. Der Firmenchef berichtete von Autogrammwünschen an seinen Monteur und meinte, in aller Regel komme die Werbung gut an. Der Radiosender „Bayern 3“ lästerte in Emojis: „Richtig ist geschmacklos – solche Spießer“.

Durch geschmacklose Werbemotive riskieren Sie Ihren Ruf

Zugegeben: Für einen Sanitärbetrieb ist das Motiv pfiffig gewählt. Es wird sicher für manch einen im Stau oder auf der Straße ein willkommener Anlass zum Lachen sein. Werbung, die zum Lachen und zu Gesprächen anregt, sollte man eigentlich als gelungen betrachten. Andererseits: Wer mit pubertierenden Jugendlichen zu tun hat, kann in diesem speziellen Fall auch den Direktor verstehen. Bei ihm in der Schule dürfte das Fahrzeug für großes Hallo gesorgt haben. Und nach allem, was ich über Klassen voll mit Kindsköpfen weiß, hat der Lehr- und Bildungsauftrag an dem Tag sicher gelitten. Pech für den Schulleiter, dass der Einsatz offenbar ein Notfall war – nur der für Notfälle ausgerüstete Transporter ist mit dem umstrittenen Aufdruck verziert. Die anderen sehen harmlos aus.

Auch in Werbung und Marketing kommt es auf Feingefühl an

Also: Denken Sie kurz darüber nach, bevor Sie mit Ihrem Auftritt – nicht nur im Marketing – möglicherweise Kontroversen auslösen. Es kann durchaus einiges für mehr Zurückhaltung sprechen – nicht unbedingt moralische Verklemmtheit, sondern eher Rücksicht und Feingefühl für den Kunden. Die Mitglieder des Werberats haben durchaus Humor, aber eben auch gute Gründe dafür, dass sie manche Kampagne trotz Lacherfolg rügen. Wie feinfühlig sie mit Kunden umgehen, haben mir im Lauf der Jahre übrigens viele Firmenchefs aus verschiedenen Branchen – Unternehmensberater, IT-Spezialisten, Mediendienstleister – indirekt berichtet. Sie erzählten, dass sie vor dem Außeneinsatz in einem Unternehmen den dortigen Dresscode erfragen. Je nachdem, wie Führungskräfte oder Mitarbeiter sich üblicherweise kleiden, passen sie ihr Auftreten an. Für einen Handwerker geht der Blaumann natürlich immer in Ordnung. Aber sittlich zumindest grenzwertige Fotos wie das auf dem Transporter müssen eben doch nicht unbedingt sein.

Generell ist Reklame auf Autos und Bussen wirkungsvoll

Die Aufregung um das Bild zeigt aber auch, dass rollende Werbung wahrgenommen wird – nicht nur auf eigenen Firmenwagen übrigens. Neulich lächelte vom Bus vor mir ein Clown-Doktor herunter ins Auto. Das ist sympathisch und bleibt in Erinnerung. Werbung auf Fahrzeugen aller Art lässt sich auch gut in Kooperation mit den Kommunen realisieren. Kürzlich hat etwa die Stadt Frankfurt dem naturkundlichen Senckenberg-Museum eine eigene Bahn gewidmet. Gut, das ist eine mittlerweile jahrhundertealte, renommierte Einrichtung. Aber auch für ganz normale Mittelständler bieten sich hier Win-win-Situationen. Die Chancen dafür steigen sicher, wenn es bei der Motivauswahl nicht zu plump zugeht.