Sozialversicherung

Die Künstlersozialabgabe gilt nicht für Sportlerauftritte

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Wer Geld sparen will, plant für Werbeveranstaltungen statt Künstlern lieber Sportler ein. So eine KSK-Vermeidungs-Strategie sollte allerdings genau mit dem Steuerberater abgestimmt werden.

Sie sind keine typischen Unternehmerveranstaltungen – aber die Fernsehshow „Let’Dance“ und der Christopher Street Day dürften sich positiv auf die finanzielle Situation mancher Betriebe oder auf von ihnen unterstützte Vereine auswirken. Das Bundessozialgericht (BSG) hat zwei Urteile zur Künstlersozialabgabe gefällt, die den Forderungen der Künstlersozialkasse (KSK) engere Grenzen setzen. Zur Erinnerung: Ist ein Unternehmen in künstlerisch angehauchten Branchen wie Rundfunk, Kultur und Verlagswesen aktiv oder engagiert es auch nur gelegentlich freiberufliche Künstler und Publizisten für Tätigkeiten zu Marketingzwecken, muss diese Sozialabgabe an die KSK gezahlt werden. Sie beträgt derzeit 4,2 Prozent des Honorars und ist nur vom Auftraggeber zu tragen, quasi als Aufschlag zur Rechnung des Dienstleisters.

Tricksen bei der Sozialversicherung kann sehr teuer werden

So gut wie jedes Unternehmen ist irgendwann betroffen: Die Abgabe wird fällig, wenn mehr als drei Dienstleistungen laut Definition in einem Kalenderjahr eingekauft werden und das Gesamthonorar 450 Euro übersteigt. So muss schon an die KSK zahlen, wer die Website von einem freien Grafiker neu designen (Auftrag 1), einem freien Journalisten mit Texten versehen (Auftrag 2) und einem freien Fotografen mit Bildern verzieren lässt (Auftrag 3). Den vierten Auftrag finden Betriebsprüfer der Deutschen Rentenversicherung (DRV), die auch nach „vergessenen“ KSK-Zahlungen suchen, garantiert – etwa den Auftritt eines Alleinunterhalters beim Tag der offenen Tür. Vergessen sollten Firmenchefs die Meldung an die KSK lieber nicht, denn Tricksen bei der Sozialversicherung wird bekanntlich teuer. Neben Nachzahlung und Säumniszuschlag droht ein Bußgeld – bis zu 30 Jahre rückwirkend, falls der Betriebsprüfer von einer vorsätzlichen Tat ausgeht.

Künstlersozialabgabe und Gema mit Steuerberater klären

Entlastet werden Unternehmen nun durch das „Let’Dance“-Urteil des Bundessozialgerichts. Die Richter entschieden, dass die Künstlersozialabgabe entfällt, wenn jemand seinen Sport präsentiert – wie in diesem Fall ein Tanztrainer den Tanzsport. Nicht jeder, der in einer Unterhaltungsshow auftrete, sei automatisch ein Künstler. Firmenchefs könnten also bei Werbe- und anderen öffentlichen Veranstaltungen das Programm so wählen beziehungsweise ankündigen, dass der Sportcharakter überwiegt. Allerdings sollte detailliert mit dem Steuerberater besprochen werden, ob der KSK so im konkreten Fall entkommen werden kann. In diesem Zusammenhang empfiehlt es sich außerdem, gleich das andere bei solchen Veranstaltungen wichtige Thema anzusprechen – die Gema-Gebühren, die bei der öffentlichen Aufführung von Musik fällig sind und immer wieder für Ärger sorgen.

Gemeinnützige Vereine können der Abgabe entgehen

Für Unternehmer, die sich in einem gemeinnützigen Verein engagieren, dürfte auch das „Christopher Street Day“-Urteil des Bundessozialgerichts interessant sein. Danach schuldet ein gemeinnütziger Verein keine Künstlersozialabgabe, wenn zwar bezahlte Künstler bei einer dem Vereinszweck dienenden Veranstaltung auftreten, dies aber nur flankierenden Charakter hat. Ein gemeinnütziger eingetragener Verein, so die Richter, sei kein „professioneller Kunstvermarkter“ im Sinne des Gesetzes. Auch in diesem Fall sollten betroffene Unternehmer allerdings den Einzelfall mit einem Steuerberater oder auch Anwalt besprechen – wie natürlich generell die steuerlichen sowie rechtlichen Besonderheiten, die für das Ehrenamt gelten.