Lohnabrechnung

Bei Betriebsprüfungen wird der Phantomlohn teuer

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Die Berechnung des korrekten Entgelts ist schon komplex. Kommen noch Feinheiten wie vor Pfändungen geschützte Lohnbestandteile oder Phantomlohn hinzu, weiß oft nur noch der Steuerberater weiter.

Lohnabrechnung ohne Einsatz einer ausgefeilten Spezialsoftware und die Unterstützung eines erfahrenen Steuerberaters? Wer sich bei diesem komplexen Thema für do it yourself entscheidet, spielt mit dem Feuer. Selbst die nur sporadische Beschäftigung etwa von Aushilfen oder Minijobbern unterliegt – nicht erst seit Einführung des gesetzlichen Mindestlohns – klaren Vorgaben bei Berechnung und Dokumentation. Viele Fallstricke beim Ermitteln des Entgelts und der Sozialabgaben oder auch der pfändbaren beziehungsweise eben vor Pfändung geschützten Ansprüche sind unabhängig von der Mitarbeiterzahl oder der Art des Beschäftigungsverhältnisses. Fehler kommen den Firmenchef hier schnell teuer zu stehen – und meistens kann nur ein Steuerexperte erkennen, welcher konkrete Fall wie zu behandeln ist.

Berechnung des pfändungsgeschützten Lohns ist kompliziert

Für etwas mehr Klarheit in Sachen Pfändungsschutz hat nun das Bundesarbeitsgericht gesorgt. Es bestätigte, dass Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeitszulagen als Erschwerniszulagen im Sinne von Paragraph 850a der Zivilprozessordnung (ZPO) gelten und so im Rahmen des Üblichen unpfändbar sind. Allerdings erstrecke sich der Pfändungsschutz nicht auf Zulagen für Schicht-, Samstags- oder Vorfestarbeit. Im konkreten Fall meinte die Klägerin, der Arbeitgeber habe durch Fehlberechnungen zu viel im Rahmen eines laufenden Pfändungsverfahrens von ihrem Lohn abgezogen und dem Treuhänder überwiesen. Zugrunde lagen der Berechnung tarifvertragliche Zuschläge für Sonntags-, Feiertags-, Nacht-, Wechselschicht-, Samstags- und Vorfestarbeit. Deshalb forderte die Frau vom Betrieb die Nachzahlung von 1.144,91 Euro, die pfändungsgeschützt gewesen seien. Die Bundesrichter kassierten das Urteil des Landesarbeitsgerichts, das für die Klägerin entschieden hatte, und forderten eine weitere Aufklärung des Sachverhalts. Aus den Unterlagen war nicht die genaue Höhe der zu Unrecht an den Treuhänder abgeführten Vergütung zu ermitteln, und unterschieden werden müsse zwischen den geschützten sowie den nicht geschützten Zulagen.

Hüten Sie sich vor dem Phänomen des Phantomlohns

Auf gut Deutsch: Zwar herrscht jetzt mehr Klarheit, vor allem aber bleiben die Unternehmer in der Pflicht. Sie müssen genau dokumentieren, welche Zahlungen sie ihren Beschäftigten in den jeweiligen Kategorien leisten. Nur so lässt sich exakt belegen, ob eine Zahlung vor Pfändung geschützt ist oder nicht und die Berechnung des Lohns sowie der Pfändungssumme den Regeln entspricht. Ohne Rücksprache mit dem Steuerberater dürften hier die meisten Firmenchefs – oder die kaufmännischen Angestellten – leicht überfordert sein. Ähnlich übrigens wie bei der Vermeidung von Phantomlohn. Wer bei der Berechnung von Lohnzahlungen im Krankheitsfall oder während des Urlaubs nicht unterscheidet zwischen dem „geschuldeten“ Entgelt – zu dem etwa auch üblicherweise geleistete Zulagen zählen – und dem tatsächlich gezahlten Entgelt, dem droht bei einer Betriebsprüfung eine Nachzahlung an die Sozialversicherung. Auch hier sorgt erst der Überblick des Steuerberaters über die komplexe Materie im Einzelfall für Klarheit.