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Personalisieren Sie die Werbung nicht zu plump

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Eine persönliche Ansprache in Werbemails mag zwar Aufmerksamkeit wecken. Aber vermeintliche Vertrautheit zu suggerieren, ist keine Strategie zur Vertrauensbildung. Das machen nur Spammer.

Neulich hatte ich Geburtstag. Zu diesem Anlass kamen neben Glückwünschen von Familie, Freunden und Kollegen auf den verschiedensten Kanälen auch Grußmails von Unternehmen, bei denen ich mal was gekauft habe oder die gern hätten, dass ich mal bei ihnen kaufe – und die aus irgendwelchen Quellen meine Daten samt Geburtsdatum haben. Geburtstagsgrüße können durchaus sinnvoll sein. Und Unternehmer sollten bei Mailings oder Werbeaktionen ruhig unkonventionelle und pfiffige Wege gehen, solange sie nicht in bestimmte Fallen tappen. Dabei darf es gerne etwas persönlicher werden.

Plumpe Vertraulichkeit ist eine gefährliche Werbestrategie

Aber Vorsicht: Es kann auch zu vertraulich werden und damit irgendwo zwischen plump und peinlich landen. So wünschte zu meinem Geburtstag ein mir unbekannter Mann per Mail an die „Liebe Frau Nuri“ erst mal „alles Gute zum Geburtstag“, „dazu Gesundheit sowie beruflich und privat weiterhin viel Erfolg.“ Dann folgte: „Leider kann ich nicht mit Ihnen heute persönlich anstoßen. Aber es ist längst Zeit für uns beide, sich mal persönlich zu sehen.“ Und ich habe mich gefragt: „Manchmal habe ich wirklich wenig Zeit – aber wer ist der Mann?“ Als er auch noch schrieb, er habe „ab sofort für Sie hier bei mir“ etwas bereitgestellt, habe ich ihn gegoogelt. Woraufhin sich herausstellte: Ich musste den Namen dieses Unternehmers tatsächlich nicht kennen. Die vertraulich formulierte E-Mail war Teil einer sogenannten Incentive-Marketing-Kampagne.

Nutzen Sie nicht die gleichen Tricks wie E-Mail-Spammer

Klar hat die Werbung die beabsichtigte Aufmerksamkeit erzielt. Aber aus dem falschen Grund, würde ich zu bedenken geben – und damit dürfte sie eher kontraproduktiv sein, also Flop statt top. Seriöse Anbieter sollten Abstand von so einer Art der persönlichen Ansprache nehmen, sofern sie einen Kunden nicht wirklich gut genug kennen. Vertrautheit in einem Werbebrief zu suggerieren, ist keine vertrauensbildende Strategie. Mag sein, dass sich die Öffnungsrate für E-Mails so erhöht. Jeder Spammer weiß das – und deshalb las sich auch die nächste Mail, von einem Herrn namens Ole, wie eine persönliche Nachricht: „Habe versucht, dich heute anzurufen“. Aber hier folgte gleich in der ersten Zeile das Angebot für einen Kredit ohne Schufa-Auskunft. Da musste ich den Absender nicht googeln, sondern konnte sofort auf „Löschen“ klicken.

Besprechen Sie sich mit Werbeprofis und Ihrem Anwalt

Was ich damit sagen will: Knapp an der Grenze zum Unseriösen zu balancieren, kann sogar schlimmer sein als eine klassische Spam-Mail. Davor kann ich nur warnen. Ich weiß: Werbung ist ein mühsames Geschäft. Experten sagen, eine Hälfte der Werbeausgaben ist versenkt – man weiß nur nicht, welche. Aber: Sie können die Dinge eben auch verschlimmern. Nutzen Sie deshalb Ihren gesunden Menschenverstand, und fragen Sie sich, was Sie und Ihr Umfeld ansprechen würde. Suchen Sie sich einen Profi, der zu Ihnen und Ihrem Unternehmen passt und in Sachen sinnvoller Werbemaßnahmen berät. Und natürlich sollten Sie – gerade vor einer vermeintlich innovativen Aktion – unbedingt Ihren Anwalt konsultieren. Rechtliche Fallstricke gibt es bei Werbung und Marketing nämlich schon so genug.

Wählen Sie die Werbeform, die zu Ihrem Betrieb passt

Was den Marketingmix betrifft, sind E-Mails an sich schon eine gute Idee, allein wegen der geringen Kosten. Social-Media-Engagement kann sich ebenfalls lohnen – wenn es zu Ihnen passt. Und dann sind da noch die Klassiker der Werbung, die Unternehmer nicht vergessen sollten, also etwa Anzeigen, Plakate, Flyer. Schauen Sie sich auch nach Verzeichnissen um – für die namhafteren, die sich in jedem Haushalt finden, könnte sich der für Unternehmen obligatorische Obolus lohnen. Aber lassen Sie sich nicht abzocken.