Internationale Automobil-Ausstellung 2017

Keine Raketentechnik – dafür Vernetzung und große Show

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Trotz schlechter Nachrichten aus der Autobranche dürfte sich der Besuch der IAA lohnen – für Fachgespräche mit Kunden und Kollegen, aber auch, um neue Trends abseits der Antriebstechnik zu schnuppern.

Manche Ideen sind wirklich wild: Da poppte tatsächlich, passend zur derzeit laufenden Automesse IAA in Frankfurt, vor ein paar Tagen die Überschrift auf meinen Bildschirm auf, mit einem neuen Treibstoff könne ein Wagen 100 Jahre ohne Auftanken fahren. Ich habe mir die Sache genau angesehen und musste zu meinem Leidwesen feststellen, dass es hier eher um eine Kombination aus Spekulation, Science-Fiction und Wunschdenken geht: Die Rede war von einem Minireaktor, der mit acht Gramm des chemischen Elements Thorium betrieben wird – und es folgte eine Abhandlung mit Begriffen wie Neutronenbeschuss, Zerfall und Radioaktivität. Wohl kaum in den nächsten Jahren … Aber irgendwie ist der Bericht symptomatisch für den aktuellen Zustand der Branche: Nach Negativschlagzeilen über Kartellabsprachen, gefälschte Abgaswerte, Dieselfahrverbote und den größten Produktrückruf der Automobilgeschichte wollen die Hersteller verzweifelt mit guten Nachrichten punkten. Und auf dieser Welle surfen dann auch jene, die mit – vorsichtig ausgedrückt – unkonventionellen Ideen in die Öffentlichkeit drängen.

Es geht um E-Mobilität, Internet oder auch Carsharing

Tatsächlich – wer hätte das gedacht – steht beim weltweiten Branchentreffen, das noch bis zum 24. September für das Publikum geöffnet ist, kein Antrieb mit Reaktor im Vordergrund. Es geht auch dieses Jahr wieder um seriöse,  zumindest bodenständiger scheinende Entwicklungen, etwa im Bereich der Elektromobilität. Den Diesel will in einer Umfrage der Zeitung „Die Welt“ keiner der führenden deutschen Konzernchefs für tot erklären. Man betont dessen Effizienz und redet zugleich ausführlich über Alternativen. Über Versprechungen gehe das allerdings noch nicht hinaus, ätzt die Zeitung. Ansonsten zeigt sich auch dieses Jahr: Die weiterhin zu den wichtigsten Branchen des Landes gehörende Industrie bewegt sich wie viele andere auch mehr und mehr in Richtung Digitalisierung und Vernetzung. Dazu gehört etwa, ihre Entwicklungen im Bereich der Sitze und teilweise ihre Geschäftsmodelle gesellschaftlichen Trends wie dem Carsharing anzupassen.

Auch alternative Informationsquellen wie Greenpeace nutzen

Es ist vermutlich das Schicksal der Dickschiffe unter den Branchentreffen wie eben der IAA, dass ihre Existenzberechtigung bezweifelt wird. Mit Verwunderung stellt etwa die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ fest, die bei Megatrends wie Elektromobilität besonders aktiven Hersteller würden der Messe fernbleiben, etwa Tesla. Oder zumindest die Neuerungen kurz vor der großen Eröffnungsveranstaltung bei eigenen Events vorstellen, wie BMW. Viel Show, wenig Kritik, bemängelt der „Deutschlandfunk“ und verweist alle an der Branche Interessierten glatt auf alternative Informationsquellen wie die Umweltverbände, also Greenpeace oder die Deutsche Umwelthilfe.

IAA bleibt wichtig für den Kontakt zu Kunden und Kollegen

Wer als Zulieferer der Branche verbunden ist, dürfte wahrscheinlich bereits vor Ort gewesen sein. Das wäre jedenfalls empfehlenswert: Die beiden Fachbesuchertage zu Beginn der IAA ließen etwas Raum zum Schauen und Reden. An den ab morgen folgenden Publikumstagen dürfte das Gedränge – trotz wachsender Kritik an auf fossilen Rohstoffen basierender Auto-Mobilität – so groß sein wie eh und je und die Qualität der Kontakte damit wohl nicht mehr optimal. Falls Sie doch noch vorbeischauen wollen, ist die Besucherseite des Messeveranstalters sicher hilfreich.