Elektromobilität

So mixen Sie sich Ihren Fuhrpark der Zukunft

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Umweltprämien der Hersteller und staatliche Förderung sollen zum Umstieg vom Diesel auf einen Elektro- oder Hybridantrieb anreizen. Vor Investitionen steht die Frage, wie der Firmenfuhrpark künftig aussieht.

Wenn man so deutliche Worte wählt, muss die Not groß sein. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), sonst nicht für konzernkritische Positionen bekannt, erwartet von der Autoindustrie die umfassende Nachrüstung der Motoren in älteren Dieselfahrzeugen. „Ein Software-Update kann nicht das letzte Wort sein. Wir brauchen eine echte technische Nachrüstung der Motoren-Hardware“, so ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke. „Darüber müssen wir mit der Autoindustrie jetzt reden.“ Seine Forderung ist eine Reaktion auf die Feststellung von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, Fahrverbote seien auch nach dem Dieselgipfel noch lange nicht vom Tisch. Bei ihrem Treffen hatten Hersteller und Politiker nur ein Software-Update für die Motorsteuerung vieler Dieselfahrzeuge vereinbart. Experten halten es für fraglich, dass sich allein damit die Luftbelastung ausreichend verringern lässt.

Handwerk verlangt Ausnahmen bei Fahrverboten

Dass die Vertreter des Handwerks bereits beim Gedanken an Innenstadt-Fahrverbote für ältere Dieselmodelle – als solche gelten unter dem Aspekt der Luftverschmutzung schon wenige Jahre alte Wagen – eine Panikattacke kriegen, ist logisch. Ihre Klientel würde dadurch hart getroffen. Viele Handwerker erbringen ihre Leistung beim Kunden, müssen also zu ihm fahren, etwa der Dachdecker, Schreiner oder Heizungsbauer. Und sie brauchen – Digitalisierung hin oder her – Werkzeug und Material, das sich kaum mit Lastenfahrrad oder U-Bahn transportieren lässt. Der Verzicht auf einen Kleintransporter scheint da unmöglich, aber angesichts noch laufender Abschreibung des existierenden Fuhrparks und dünner Kapitaldecke für zahlreiche Betriebe eben auch die rasche Anschaffung neuer Fahrzeuge. Daher liegt nahe, dass ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer für den Fall von Fahrverboten umfassende Ausnahmen für das Handwerk fordert.

Lastenfahrrad und E-Transport in Fuhrpark aufnehmen

Unabhängig von drohenden Fahrverboten und möglicher Nachrüstung sollten Unternehmer die Diskussion um die Zukunft des Diesel aber zum Anlass nehmen, ernsthaft über den Firmenfuhrpark der Zukunft nachzudenken. Hier muss jeder, der in absehbarer Zeit investieren will, individuelle Antworten finden. Es wird nicht reichen, alle paar Jahre den abgeschriebenen Wagen gegen einen neuen einzutauschen. Perspektivisch sind Verbrennungsmotoren ein Auslaufmodell. Aber es muss ja auch kein Diesel oder Benziner sein. Der Firmenfuhrpark der Zukunft könnte sich eher durch Diversität auszeichnen – mit unterschiedlichen Transportmitteln für unterschiedliche Aufgaben. Vor der Investitionsentscheidung steht die Bestandsaufnahme: Wie oft fahren wir mit wie viel Gepäck wie weit, und wie lange bleiben wir da? Eine ehrliche Antwort auf diese Frage könnte lauten: Für kleine Ausbesserungsarbeiten in der Stadt reicht doch ein Lastenfahrrad. Und zwei Mann plus Material können schon heute mit einem der inzwischen zahlreich verfügbaren E-Transporter in den Nachbarort fahren, weil die Reichweite hierzu locker ausreicht und der Akku während der Arbeit ganz in Ruhe wieder aufgeladen werden kann.

Investition trotz Förderung mit Steuerberater durchrechnen

Wer seinen Firmenfuhrpark antriebs- und kapazitätstechnisch ohne Denkverbot neu zusammenstellt, wird vermutlich auf einen interessanten Mix kommen – und kann dann im nächsten Schritt eine Investitionsoptimierung betreiben. Für zahlreiche Fahrzeuge mit Elektro- und Hybridantrieb gibt es eine staatliche Förderung des Bundes. Sinnvoll ist es auch, lokale Förderprogramme anzuzapfen, die enorme Bandbreite reicht vom Angebot der Stadt München bis zu dem der Energiewerke Isernhagen. Hinzu kommen Prämien der Autohersteller, die diese nach dem Dieselgipfel für den Eintausch eines alten Diesel gegen einen Neuwagen ausgelobt haben. Fest steht allerdings: Das lohnt sich nur, falls die Investition den Firmenfuhrpark zukunftssicher macht und mit dem Steuerberater sauber durchgerechnet ist, wie an dieser Stelle schon betont wurde, als die Bundesregierung die Kaufprämie für E-Autos beschlossen hatte.

Ausnahmen gelten natürlich, falls eine steuerliche Negativrechnung durch massive Pluspunkte bei Imagegewinn und Marketing mehr als ausgeglichen wird.