Onlineshop

Einschränkung der Zielgruppe muss klar erkennbar sein

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Richtet sich ein Angebot nur an Gewerbetreibende, darf der Hinweis nicht im Text oder bei den AGB versteckt werden. Am besten ist es, parallel eigene Shops für Geschäfts- und Privatkunden zu betreiben.

Unlängst fühlte ich mich ziemlich reingelegt, betrogen zwar nicht um Geld, aber doch um wertvolle Lebenszeit. Von einem Unternehmen, das die aktuelle Rechtsprechung entweder nicht kennt oder sie schlicht ignoriert und so schlechten Service liefert. Ich jedenfalls werde den Anbieter trotz guter Preise und Produkte nicht weiterempfehlen, weil ich ihn als wenig professionell empfinde. Aus diesem schlechten Beispiel können andere Firmenchefs lernen, wie man es nicht machen sollte.

Manche Internetangebote gelten nur für Gewerbetreibende

Was war passiert? Ich sollte für meinen Sohn, der eine Lehre begonnen hat, Berufsbekleidung im Internet kaufen. Kein großes Ding, er schickt mir die Links, ich lege die Produkte in den Warenkorb und bestelle. Klappte alles reibungslos. Aber dann kam kein Paket, sondern einige Tage später ein Rückruf vom Onlineshop: Wo mein Gewerbe denn eingetragen sei, man könne mich nicht finden … Nach längerer Diskussion stellte sich heraus, dass auf dieser Seite nur Unternehmer einkaufen dürfen. Was ja völlig in Ordnung ist, nur eben auch deutlich erkennbar sein muss, da man sonst bei jemandem wie mir den Eindruck erweckt, er könne hier shoppen – und beide Seiten sinnlos Zeit investieren, bis das Missverständnis geklärt ist. Letztlich wurde die Bestellung storniert, mein Sohn musste eine neue Bezugsquelle suchen und bekam Ärger im Betrieb, weil er bis zur Ersatzlieferung ein paar Tage ohne vernünftige Berufsbekleidung dastand.

Ein versteckter Hinweis bei den AGB reicht nicht aus

Ich verstehe den Shopbetreiber nicht. Mit Blick auf die Rechtslage ist das Thema eindeutig geklärt, und eventuell damit verbundene technische Herausforderungen lassen sich leicht lösen. Zu den juristischen Aspekten: Erst Ende vergangenen Jahres hat das Oberlandesgericht Hamm geurteilt, ein Internetangebot nur für Gewerbetreibende müsse klar und transparent zum Ausdruck gebracht werden. Und zwar so, dass die Erklärung von einem Interessenten nicht übersehen oder missverstanden werden kann. Im konkreten Fall reichte es den Richtern nicht, dass von Angeboten für „Restaurants“ und „Profiköche“ die Rede war und in einem Textfeld im unteren Bereich der Seite zu lesen war, sie richteten sich ausschließlich an Gewerbetreibende oder Selbständige und nicht an Verbraucher. Auch der – nicht hervorgehobene – Hinweis bei der Markierung zum Akzeptieren der allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB), der Kunde bestätige seinen gewerblichen Nutzungsstatus, könne übersehen werden.

Parallel eigenen Onlineshop für Privatkunden betreiben

Jeder Betreiber eines Onlineshops muss also – am besten gleich oben auf der Startseite – gut sichtbar und klar verständlich darauf hinweisen, dass seine Angebote nur für Geschäftskunden gelten. Die meisten tun das auch und machen trotzdem Umsatz mit Privatleuten, indem sie eine ganz einfache technische Lösung wählen: Sie verlinken auf einen Schwestershop, wo es die gleichen Produkte gibt. Man kann also wählen, ob man als Privatperson oder Unternehmer ordert. Die Bestellmöglichkeiten für beide Zielgruppen unterscheiden sich dann im Wesentlichen nur in zwei Punkten: Geschäftskunden sehen die Nettopreise, private Interessenten die Bruttopreise. Und jeder Shop hat eigene AGB, da für Firmen- und Privatkunden beispielsweise andere Regeln zur Gewährleistung und Rücksendung gelten. Auch Themen wie die richtige Widerrufsbelehrung und ein Link auf das europaweite Online-Streitschlichtungsportal für Auseinandersetzungen mit Verbrauchern sollten bei der Gestaltung der Webseite berücksichtigt und am besten vorher mit einem Anwalt besprochen werden.

Das Verkaufen an Geschäfts- und/oder Privatkunden lässt sich also technisch wie rechtlich ohne großen Aufwand organisieren. Warum nur hat der Shop, der mich Zeit und Ärger gekostet hat, das nicht hinbekommen …?