Mittelstandsverbund

Hoteliers gegen die Allmacht der Buchungsportale

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Viele kleine Betriebe leiden unter der Marktmacht großer Wettbewerber oder monopolistischer Internetportale. Regionale Initiativen beweisen, dass sich die Kleinen aber gegen die Großen behaupten können.

Fast wie bei Asterix: Wir schreiben das Jahr 2017 nach Christus. Ganz Hotellien ist von Zimmerbuchungsportalen besetzt. Ganz Hotellien? Nein! Ein von unbeugsamen Gastgebern bevölkertes Städtchen wehrt sich gegen die Eindringlinge. „Die Altstadt gehört uns“, erklärt die Regensburger Hotelbesitzerin Kathrin Fuchshuber, die mit 24 ortsansässigen Hoteliers die Plattform hotels-in-regensburg.com gegründet hat. Ihre vom Wirtschaftsmagazin „brand eins“ erzählte Geschichte beginnt mit einem Ärgernis, das sicher nicht nur Hoteliers kennen, sondern auch viele Händler, Dienstleister und Ein- oder Verkäufer: jene Friss-oder-stirb-Angebote, die abzulehnen schwerfällt, weil die Alternative aussichtslos scheint.

Zimmer in der Altstadt vermittelt der Verein sogar exklusiv

Einem alten Spontispruch folgend, hatten die Regensburger Hoteliers also keine Chance – und haben diese genutzt. Statt zu resignieren, als der Verkäufer eines Bookingportals sie mit schlechten Konditionen konfrontierte und als Alternative empfahl: „Machen Sie doch Ihre eigene Plattform“, legten sie los. Die gemeinsam gestartete regionale Buchungsplattform tut den längst zu Monopolisten fusionierten Platzhirschen vermutlich nicht weh. Doch mit einem Top-Platz in den Suchergebnissen und der Unterstützung vieler Hotels erzielen die Regensburger Achtungserfolge. 36 von 55 Häusern sind mit dabei – die Altstadthotels gibt es sogar exklusiv aus eigener Hand.

Das eigene Internetportal ermöglicht hohe Einsparungen

Und finanziell ist das für die Hoteliers mehr als nur ein Achtungserfolg: Statt der bei den Portalen üblichen 15 bis 40 Prozent Provision auf den Buchungspreis zahlt jeder Teilnehmer 500 Euro Startkapital und jährlich 200 Euro plus sechs Euro pro Zimmer an den eigens gegründeten Verein, der die Plattform betreibt. Diesen Kosten steht schon bei einer Provision von nur 15 Prozent rein rechnerisch eine Ersparnis von 10.950 Euro gegenüber, wenn täglich eine Buchung für zwei Nächte zum Zimmerpreis von 100 Euro reinkommt. Anders als die Gallier im Asterix-Comic leisten die Regensburger auch nicht allein Widerstand gegen die Marktübermacht der Buchungsportale. Einen ähnlichen Weg schlägt die erklärtermaßen gegen die hohen Gebühren gegründete Deutsche Hotelgenossenschaft mit Stayya ein. Dies ist sicher ein kluger Weg, der Marktmacht der Buchungsportale zu begegnen. Die stößt in der Branche zunehmend auf Missfallen, und zwar europaweit. Das Rechercheportal „Correctiv“ wirft den Portalbetreibern gar systematische Manipulation vor.

Innovative Konzepte besser als Schlagabtausch vor Gericht

Die Hotelier-Selbsthilfe ist sicher zielführender, als der Versuch etwa von Hamburger Hoteliers, juristisch gegen die Preisklauseln der Buchungsportale vorzugehen. Klug und überfällig scheint mir auch, dass viele Hotelbesitzer endlich beginnen, unabhängig von den großen Portalen an ihrer Sichtbarkeit im Netz zu arbeiten. Damit die Welt künftig auch direkt nach Regensburg und selbst die fernste Provinz gelangen kann – auch abseits der offenbar zu lange als bequem empfundenen Plattformwege.

Vorbildliche Lösung für andere Branchen und Regionen

Hoteliers anderswo und auch Einzelhändler, Handwerker oder Dienstleister sollten überlegen, ob und wie sich vereins- oder genossenschaftsbasierte Modelle zur besseren Vermarktung der eigenen Angebote nutzen lassen, um von den – oft von US-Konzernen kontrollierten – großen Plattformen unabhängiger zu werden. Sinnvoll sind auch Gemeinschaftsinitiativen wie die vom Mittelstandsverbund unterstützte händlereigene Initiative Buy Local. Unter dem Motto „Erlebe Deine Stadt – Die Mittelstandsoffensive“ präsentieren sich hier Unternehmen, die einen Unterschied machen wollen: bei Service und Beratung ihrer Kunden, bei Qualität und Nachhaltigkeit ihrer Produkte und Dienstleistungen, bei der sozialen Verantwortung für ihre Region.