Hitzewelle

Kaltgetränk genießen oder besser gleich ganz eintauchen?

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Pünktlich zum Sommerbeginn kommt eine Hitzewelle. Unternehmer müssen auf Rekordtemperaturen reagieren und dafür sorgen, dass Beschäftigte am Arbeitsplatz keiner Gesundheitsgefahr ausgesetzt sind.

Zweimal hatten die Gymnasiasten bei mir um die Ecke dieses Jahr bereits Glück: Es gab Hitzefrei. Bei 26 Grad in den Klassenräumen in der ersten Pause kann der Direktor ihnen freigeben. Nach ein paar kühleren Tagen sollen die Temperaturen nun zum kalendarischen Sommerbeginn am 21. Juni wieder auf 35 Grad steigen. Und es soll die ganze Woche heiß bleiben. Die „Tagesschau“ rief auf Facebook schon zu Wochenbeginn den „Red Monday“ aus – auf den wahrscheinlich die ein oder andere rote Woche folgen wird. Grund genug auch für Arbeitgeber, sich mit der Frage zu beschäftigen, was man bei diesem Wetter tun sollte, damit die Beschäftigten nicht allzu sehr unter den Temperaturen leiden. Ein Recht auf Hitzefrei haben Arbeitnehmer im Gegensatz zu Schülern zwar nicht. Doch ein paar Vorkehrungen müssen schon sein.

Getränke stellen und Kleiderordnung lockern

Rein rechtlich betrachtet sollten Arbeitnehmer nicht selbst mit Ventilator und nassen Tüchern oder Eimern unter dem Tisch hantieren, sondern den Chef bitten, in zu heißen Räumen für Abhilfe zu sorgen, so „handwerk magazin“. Reagiere er – also in dem Falle Sie – nicht, dürften die Angestellten heimgehen, weil sonst eine Gesundheitsgefahr bestehe. Die Tipps für Temperaturen ab 30 Grad sind immer die gleichen: Sie sollten in den frühen Morgenstunden lüften. Sollten Anzug und Krawatte in Ihrem Unternehmen für die Mitarbeiter üblich sein, lockern Sie die Kleiderordnung besser. Stellen Sie den Mitarbeitern Getränke zur Verfügung, am besten Wasser oder Tee. Grüntee mit Pfefferminz trinken Beduinen in oder am Rand der Wüste.

Büro mit 35 Grad gilt als gesundheitsschädigend

Ab 35 Grad reicht Lüften nicht mehr aus. Die Verordnungen der Gesundheitsexperten klingen dann auch schon skurriler: Sie empfehlen Luftduschen oder Wasserschleier. Solche Geräte dürften die meisten Unternehmer eher nicht im Lager haben. Auch Hitzeschutzkleidung nennt die Arbeitsschutzverordnung als mögliche Maßnahme. Sicher auch nicht jedermanns Sache. Ernster Hintergrund: Ein Raum mit einer Temperatur von mehr als 35 Grad ist „nicht als Arbeitsraum geeignet“. Die Arbeit in einem derart aufgeheizten Büro ist laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Baua) unzulässig. Es drohen Gesundheitsschäden.

Früher arbeiten und Überstunden abfeiern lassen

Auf so eine Herausforderung lässt sich nur mit organisatorischen Maßnahmen reagieren, etwa mit dem Verschieben von Arbeiten. Chefs können in einer Hitzewelle die Gleitzeitregelung ändern und die Mitarbeiter in den kühleren Morgen- oder Abendstunden arbeiten lassen. Die in vielen südlichen Ländern traditionell lange Siesta hat ihren gesundheitlichen Sinn. Vielleicht ein Schläfchen einlegen? Oder rausgehen und im Firmengarten oder auf dem Hof ein schattiges Plätzchen suchen, sofern vorhanden? Wobei dieser Raum ebenfalls nicht rechtsfrei ist. Hier müssen Arbeitgeber neben Getränken auch für Sonnenschutz sorgen und dazu Luftwerte wie etwa den Ozongehalt berücksichtigen. Also alles nicht so einfach in der Hitze. Daher wäre die natürlich auch für den Abbau von Überstunden sicher ein guter Zeitpunkt.

Bekommen die Kinder der Mitarbeiter Hitzefrei, haben Eltern ein Recht auf Freistellung nur dann, wenn sie vor unvorhergesehenen Betreuungsproblemen stehen. Das muss nicht zwangsläufig so sein. Anders als in meiner Kindheit werden die Schüler nicht mehr einfach heimgeschickt. Die Länder haben – Stichwort „verlässliche Schule“ – Verordnungen für die Aufsicht der Schüler erlassen. Und die Schulkantine ist dann im Zweifel auch bei Hitzefrei geöffnet. Unterrichtsfrei heißt für die Gymnasiasten von nebenan also nicht automatisch auch, dass sie heimgeschickt werden.