Digitalisierung

Eine schnelle Verbindung – gerne auch über den Acker

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Die digitale Agenda der Bundesregierung verspricht schnelles Internet für alle und überall. Viele Unternehmer fühlen sich aber abgehängt. Also verlegen sie zunehmend Glasfasernetze in Eigeninitiative.

Onlineaktivitäten. Sprachlich klingt das sehr modern, ganz praktisch kommt es zuweilen recht archaisch daher. Ein bisschen handwerklich-rustikal. Oder agrartechnisch. Die Bauern in Senden verlegen tatsächlich mit dem Glasfaser-Pflug die Kabel im westfälischen Boden. Sie haben sogar Geld zusammengelegt, um in dem Städtchen im Münsterland noch den letzten Hof ans schnelle Glasfasernetz anzuschließen. Mit eigener Arbeit und zusätzlich 2.200 Euro Mitgliedsbeitrag für den Verein „Smart City Senden“ sind die rund 180 Kilometer Glasfaser zwar mit Zusatzaufwand, aber doch relativ günstig verlegt – insbesondere verglichen mit dem Millionenbetrag, den der Anbieter für die Verlegung durch hügeliges Waldgelände veranschlagte.

Beim schnellen Internet hinkt Deutschland hinterher

Dass die Bauern hierzulande – nicht als Einzige – zur Selbsthilfe greifen, ist kaum verwunderlich. Was die Versorgung mit Netzverfügbarkeit betrifft, darf Deutschland getrost als hinterwäldlerisch gelten. Schon die Funklöcher sind gigantisch. Das werden Handynutzer bestätigen, die öfter in der Provinz unterwegs sind, etwa auf dem Weg zu Kunden oder Zulieferern. Die Stiftung Warentest hat es geprüft: Vor allem bei der Geschwindigkeit gibt es große regionale Unterschiede. Auch die Verbreitung von Glasfasernetzen beschreibt in weiten Teilen der Republik am besten ein Wort: Mangelversorgung. Wie arg die ist, merke ich öfter an den Posts von Facebook-Freunden, die sich auf Reisen gern über schnelles Internet freuen, beispielsweise mitten in den Karpaten. Rumänien liegt im internationalen Vergleich weit oben, nämlich auf Platz vier, während Deutschland 2016 auf dem vorletzten europäischen Platz dahindümpelte.

Breitband-Verfügbarkeit sollte zur Daseinsvorsorge zählen

Es wird zu wenig investiert, bemängelt die Bertelsmann Stiftung in einer Studie. Die Autoren einer Fraunhofer-Studie mit ähnlich schwachem Ergebnis schlagen vor, „das Prinzip der Daseinsvorsorge auf die Versorgung mit Breitband-Internet auszuweiten“, berichtet „heise online“. Nötig wäre das auf jeden Fall. Es ist wirklich kein Zustand, wenn Unternehmer zum Surfen vom Büro zu einem Burger-Restaurant fahren müssen, weil das WLAN dort schneller ist als das firmeneigene Netz. Bis es denn dann irgendwann mal so weit ist, gibt es immerhin Möglichkeiten zur Selbsthilfe, wie das Beispiel der Sendener Bauern zeigt. Damit solche Projekte zum Erfolg führen, sollte aber genau mit dem Anwalt geprüft werden, in welcher Rechtsform und mit welchen vertraglichen Vereinbarungen gearbeitet wird. Und sollte mehr als nur ein kleiner Mitgliedsbeitrag investiert werden, kann der Steuerberater klären, wie die beste Finanzierung aussieht und welche Auswirkungen sie auf die Bilanz hat.