Digitale Identität

Umständliches Log-in? Egal: ich bin und bleibe viele

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Viele Menschen haben verschiedene digitale Identitäten, etwa als Unternehmer und Privatperson. Ein einheitlicher Log-in erleichtert die Bewegung im virtuellen Raum, birgt aber auch Sicherheitsrisiken.

Das klingt mal wieder nach einer Techno-Posse. Gastwirt Timo Zacher wünscht für seine Berghütte im Oberharz eine Glasfaserkabelleitung. Sogar der Mond soll ja eine schnelle Verbindung bekommen. Nicht aber – sicher nicht zum veranschlagten Preis – sein Hostel im Wald. Das Angebot der Telekom betrug statt der erwarteten paar tausend Euro eine Million. Die Wege zu Zacher sind abgelegen und hügelig. Online-Zimmerbuchung und Warenbestellung bleiben also ein Wunschtraum. Auch die vorgeschriebene digitale Meldung zum Kurbeitrag an die Gemeinde oder zur Übernachtungsstatistik an die zuständigen Behörden: schwierig. „Eine Million Euro ist utopisch“, sagte Zacher der Zeitung „Die Welt“. Sein Pech: Flächendeckende Versorgung ist erklärtes politisches Ziel, aber es gibt keine gesetzliche Verpflichtung, alle Grundstücke zu versorgen.

Zwischen dem Unternehmen und der Privatperson trennen

Das Thema digitale Identität, das auch gerade bei der Nürnberger Web Week diskutiert wird, dürfte für manch einen in ähnlicher Lage ebenfalls nach Science-Fiction klingen. Dabei geht es etwa um die Frage, was sich im Netz über eine Person findet und was nach ihrem Tod mit den digitalen Präsenzen geschieht. Firmenchefs müssen außerdem darüber nachdenken, wie sie Privates sinnvoll vom Unternehmerischen trennen. Das ist nämlich virtuell gar nicht so einfach – man denke nur daran, dass Facebook schon mal einfach einen Privataccount in eine Firmenseite umwandelt. Das sind wichtige Fragen, auf die jeder Unternehmer passende Antworten finden sollte – zu groß ist der potenzielle geschäftliche Nutzen einer Internetpräsenz, als dass man darauf verzichten kann, wie Malermeister Deck hier schon berichtet hat.

Gemeinsame Log-ins erleichtern das Geschäft im Netz

Bei der digitalen Identität geht es längst um mehr als Internetauftritt, Kundenbindung im Netz oder SEO-Optimierung. Wie der Begriff Identität schon sagt, nämlich auch um das einheitliche Agieren einer Person mit digitalen Log-ins. Manches funktioniert in dieser Hinsicht noch überraschend schlecht – so weiß etwa Xing die gesamte Damenwelt nicht aufzufinden, sofern sie eine weibliche Berufsbezeichnung führt. Das hat mich überrascht und schnell zu einer kleinen Identitätsänderung bewogen, von der Journalistin zum Journalisten. Anderes jedoch geht tatsächlich längst in Richtung (einheitliche) digitale Identität. So können Privatleute wie Unternehmer ihr Log-in von Facebook oder Google Mail seit einiger Zeit auch für den Zugang zu Angeboten anderer Unternehmen nutzen. Gerade kleine Betriebe und Plattformen können so die Zugangshürde für ihre Kunden und Nutzer bei Interaktion oder Kauf deutlich senken.

Die einheitliche digitale Identität gefällt den Datenkraken

Das klingt so praktisch wie elegant, hat aber datenschutzrechtliche Nachteile. Die Bundesregierung arbeitet deshalb daran, eine für alle Bürger einheitliche Möglichkeit zum Log-in zu schaffen. Ob jedoch die Online-Banking-PIN als universell-individueller Zugang zur Netzwelt wirklich besser ist? Ich bin skeptisch, schon weil ich – wie die meisten Selbständigen – zwei Girokonten habe, ein geschäftliches und ein privates. Da ist das mit der Identität dann so eine Sache. Und ich wäre wegen der Sicherheit besorgt. Aus diesem Grund nutze ich seit Jahren Onlinebanking, aber nie mobil. Was, wenn ich mein Handy verliere? Mit Blick auf weitreichende Zugriffsmöglichkeiten des Staats auf unsere Bankkonten, wie im Steuerumgehungsbekämpfungsgesetz vorgesehen, klingeln ebenfalls die Alarmglocken. Mit gläsernen Konten und ab Juli den neuen Vorgaben zur Datenvorratsspeicherung mal eben überall Zugang finden – das hört sich für meine IT-technischen Laienohren nicht besser an als das, was von den beiden anderen Datenkraken bekannt ist.

Und insofern bleibe ich persönlich virtuell erst mal weiter viele – und nicht nur eine Identität.