Industrie 4.0

Digitalisierung bietet Chancen für starkes Wachstum

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Die Hannover Messe zeigt, wozu künstliche Intelligenz und Roboter fähig sind. Unternehmer, Selbständige und Freiberufler sollten prüfen, wie neue Technologien oder Arbeitsweisen ihr Geschäft beeinflussen.

Was denn nun? Einerseits erklärt der Branchenverband Bitkom die Industrie 4.0 zu einem Trend, der die Wirtschaft massiv verändert. „Die Digitalisierung der industriellen Produktion ist das Wachstumsthema schlechthin“, sagte das Präsidiumsmitglied Winfried Holz anlässlich der Hannover Messe. Der Umsatz mit Industrie-4.0-Lösungen in Deutschland – Hardware, Software und Services zur digitalen Vernetzung der Produktion – werde 2017 um 21 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro und 2018 um 22 Prozent auf rund sieben Milliarden Euro wachsen. Klingt nach rasantem Wandel. Andererseits meinen Experten der Managementberatung McKinsey, die Digitalisierung und Automatisierung der Wirtschaft werde sich bis Mitte des Jahrhunderts hinziehen. Potenziell, so die Studie „A Future that Works: Automation, Employment, and Productivity“ vom McKinsey Global Institute (MGI), ließe sich rund die Hälfte der weltweiten Arbeitsaktivitäten automatisieren – aber das dürfte bis mindestens 2055 dauern. Ist die Aufregung um Digitalisierung und Industrie 4.0 also doch nur ein Hype?

Niemand kann sich der Automatisierung entziehen

Wie immer liegt die Wahrheit irgendwo zwischen „himmelhoch jauchzend“ und „zu Tode betrübt“. Betriebe und Branchen lassen sich bei diesem Thema nicht über einen Kamm scheren. Jeder Unternehmer, Selbständige und Freiberufler muss für seine Situation durchspielen, wie die neuen Technologien oder Arbeitsweisen sein Geschäft beeinflussen – positiv wie negativ, für beides sollten Szenarien entwickelt werden. Das gilt über die klassische Industrie hinaus, weil sich die Veränderungen auf alle Arten von Geschäftsbeziehungen auswirken können, gerade auch bei Services und Dienstleistungen. Bessere Möglichkeiten der Zusammenarbeit durch den digitalen Austausch von Daten sowie die Fertigung individualisierter Produkte mit 3D-Druckern etwa können die Kosten senken und die Flexibilität steigern. Das eröffnet die Möglichkeit, neue Produkte auf den Markt zu bringen, die sich in den alten Strukturen nie gerechnet hätten.

Künstliche Intelligenz und Roboter werden immer besser

Die Digitalisierung ist also wirklich ein Megathema, das jeden angeht – darüber haben wir wiederholt berichtet. Betroffen sind auch Betriebe, in denen menschliche (Hand-)Arbeit sich tatsächlich noch nicht ersetzen lässt: Ein Kunsthandwerker, der von seiner Kreativität und Fingerfertigkeit lebt, hat keine digitalisierte Fertigung, aber vermutlich eine digitalisierte Buchführung mit kaufmännischen Programme aus der Cloud. Und dass Roboter früher oder später selbst in solchen Unternehmen zum Zug kommen dürften, zeigen spannende Präsentationen bei der Hannover Messe. Dort maßen sich etwa ein Roboter und ein Mensch im Pingpong, um zu demonstrieren, wie filigran die Steuerung und wie lernfähig die Software ist – Stichwort künstliche Intelligenz. In diesem Fall

analysierte der Roboter die Spielmuster des Menschen, um auf dessen Taktik immer besser reagieren zu können. Für die Landwirtschaft wurde ein Roboter gezeigt, der künftig die filigrane Aufgabe des Bestäubens von Blüten übernehmen könnte, was eine Antwort auf den Bienenmangel in vielen Anbaugebieten wäre.

Digitalisierung bietet Chancen für starkes Wachstum

Eins jedoch ist klar: Industrie 4.0 und Digitalisierung erfordern ein Umdenken bei der IT-Sicherheit. Wenn alles immer mehr vernetzt und voneinander abhängig ist, muss das gesamte System an jedem Zugangspunkt bestens vor unbefugten Zugriffen geschützt sein – nicht nur in einem Betrieb, sondern bei allen Beteiligten. Mit dieser integrativen Zusammenarbeit wächst die Verantwortung jedes Partners für die IT-Sicherheit. Ans Internet der Dinge – das Rückgrat der Industrie 4.0 – angeschlossene Maschinen und Geräte müssen ebenso gut gesichert werden wie das eigene Firmennetzwerk. Wer sich dieser Zusammenhänge bewusst ist und beherzt die Chancen ergreift, die ihm die Digitalisierung bietet, für den wird sie – Hype hin oder her – auch zum Wachstumsthema.