Elektroautos

Mit Strom und Hybrid gegen Fahrverbote und Image-GAU

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Beim Genfer Automobilsalon sind vor allem Sportwagen und SUV zu sehen. Angesichts drohender Fahrverbote in Großstädten sollten Unternehmer aber in Firmenwagen mit Elektro- oder Hybridantrieb investieren.

Sie leben und arbeiten in einem Ballungsraum oder fahren oft durch Großstädte? Dann wird es Zeit für eine neue Investitionsplanung. Wer dieses oder nächstes Jahr einen (Firmen-)Wagen anschaffen will, sollte sich intensiv mit der Frage beschäftigen, welche Antriebsart für seine Zwecke eine Zukunft hat – egal, ob es sich um einen Pkw oder ein Nutzfahrzeug handelt. Denn nach langen Diskussionen um den Sinn von Fahrverboten zur Reduzierung der Luftverschmutzung machen jetzt – auch auf Druck der EU – die ersten Städte ernst. Stuttgart hat bereits bekanntgegeben, dass ältere Diesel ab 2018 bei bestimmten Wetterlagen nicht mehr in die Stadt dürfen. Düsseldorf und München bereiten ebenfalls Fahrverbote vor. Und auch in Köln ist die Frage nicht mehr ob, sondern nur noch wie.

Diskussion um Fahrverbote und Ausnahmegenehmigungen

Schon die Diskussion um mögliche Fahrverbote hat die Nachfrage nach Dieselfahrzeugen einbrechen lassen. Bei den Pkw-Neuzulassungen ging ihr Anteil im Februar nach Berechnungen des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) um 10,5 Prozent zurück. Der ADAC schimpft, das Aussperren von rund 13 Millionen nicht die Euro-6-Norm erfüllenden Dieselautos aus den Innenstädten wirke wie eine Enteignung. Darüber hinaus geht es um wirtschaftliche Verluste: Wer künftig einen gebrauchten Diesel verkaufen will, könnte weniger dafür bekommen. Kfz-Betriebe befürchten laut „handwerk magazin“, auf ihren Gebrauchtwagen sitzen zu bleiben. Außerdem fordert das Handwerk bereits Ausnahmegenehmigungen, damit Unternehmer mit älteren Fahrzeugen bei einem Fahrverbot trotzdem zu ihren Einsatzorten in der Innenstadt kommen. Wie die Politik darauf reagiert, ist allerdings noch nicht abzusehen.

Nur noch mit Euro-6-Diesel oder Elektroauto in die Stadt

Womit wir wieder bei der Investitionsplanung sind. Sollte es ab 2018 Fahrverbote geben, ist nun der richtige Zeitpunkt, um ältere Firmenwagen durch moderne Fahrzeuge zu ersetzen – bevor die Preise für Gebrauchtdiesel weiter rutschen. Stellt sich nur die Frage, was gekauft wird. Die „FAZ“ rechnet vor, dass bei bestimmten Fahrzeugen ein Euro-6-Diesel, der nicht von Fahrverboten betroffen wäre, die langfristig im Vergleich zu einem Benziner sinnvollere Variante wäre – auch mit Blick auf klimawirksame Schadstoffemissionen. Andererseits könnte sich die Anschaffung eines Elektrofahrzeugs lohnen. Dafür gibt es eine staatliche Kaufprämie von 3.000 bis 4.000 Euro, und die Folgekosten bei Steuer und Betrieb fallen geringer aus. Bisher haben erst gut 11.000 Kunden diese Förderung genutzt, gut die Hälfte davon Unternehmen. Die niedrige Zahl muss aber nicht gegen ein Elektroauto sprechen. Können Sie als Unternehmer sich für einen Stromer begeistern, sollten Sie die Gesamtkosten für die betriebliche Nutzung genau mit dem Steuerberater durchrechnen – und dabei auch ans Firmenimage denken, das ein Auto ohne Auspuff sicher aufpoliert.

Angebot an Stromern und Hybridfahrzeugen wird größer

Wichtig ist, vor der Entscheidung zu prüfen, welcher Einsatzort und welche Reichweite gesetzt ist – ohne gut erreichbare Stromtankstellen kommt nur ein Hybridfahrzeug mit zuschaltbarem Verbrennungsmotor infrage. Andererseits zeigt sich bei genauer Betrachtung oft, dass viele Fahrten zu Kunden in einem geringen Radius erfolgen und der Wagen abends im eigenen Betrieb wieder aufgeladen werden kann. Diese Überlegungen gelten übrigens für die Cheflimousine ebenso wie den Transporter oder andere Nutzfahrzeuge. Das Angebot hier wird langsam breiter, obwohl die Hersteller beim Genfer Autosalon gerade wieder bevorzugt hochgezüchtete Sportwagen und SUV zeigen. Bei den Pkw ist die Auswahl schon ganz ordentlich, bei leichten Nutzfahrzeugen gibt es einiges an Varianten für verschiedene gewerbliche Einsatzbereiche. Nur bei den schweren Nutzfahrzeugen sieht es etwas mau aus, obwohl Hersteller wie Daimler hier kräftig am Entwickeln sind.

Aber man muss den Umstieg auf Elektromobilität ja nicht unbedingt mit dem 26-Tonner beginnen, vielleicht tut es für den Anfang auch der Chef-Tesla oder der Monteurs-Ducato …