Firmenwagen

Italienischer Sportwagen gegen deutschen Fiskus

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Der Ferrari als Dienstwagen verursacht regelmäßig Probleme. Unternehmer sollten vor der Anschaffung mit dem Steuerberater klären, was zu beachten ist – und unbedingt ein Fahrtenbuch führen.

Close-up view of the old restored classic car.

Ferrari, Ferrari, immer wieder Ferrari – fahren Ärzte wirklich so gerne Ferrari? Oder kommen sie als Halter eines italienischen Sportwagens einfach überproportional in die Schlagzeilen, weil es bei dieser Marke so oft Ärger mit der Anerkennung als Firmenwagen gibt? Jedenfalls hat schon wieder ein Mediziner vergeblich versucht, die vollen Kosten eines Ferrari steuerlich geltend zu machen. Laut Finanzgericht Baden-Württemberg ist ein vollumfänglicher Vorsteuerabzug aus den Aufwendungen in dem Fall ausgeschlossen, da sie die Lebensführung des Steuerpflichtigen oder anderer Personen berühren und (anteilig) unangemessen sind. Natürlich kommt es immer auf den Zusammenhang an – aber schon 2014 hatte der Bundesfinanzhof ähnlich geurteilt und verhindert, dass bei geringer Laufleistung und hohen Fixkosten 14 Euro pro Kilometer angesetzt werden. Zwei Euro pro Kilometer müssten reichen, das entspreche der durchschnittlichen Fahrtkostenberechnung für Automarken der Oberklasse.

Ein Fahrtenbuch erleichtert die Beweisführung

Das entscheidende Stichwort ist also die Angemessenheit. Wer mit seinem Ferrari – oder jedem anderen teuren Fahrzeug – viele Kilometer für Kundenbesuche zurücklegt und dabei so gute Geschäfte macht, dass er anschließend Millionengewinne versteuert, dürfte bei der Betriebsprüfung bessere Karten haben als jemand, der wenig beruflich fährt und seine Steuerschuld mithilfe eines solchen Wagens erheblich zu verringern versucht. Sinnvoll ist natürlich, ab dem ersten Kilometer ein Fahrtenbuch zu führen – das erleichtert bei eventuellen Problemen mit dem Finanzamt die Beweisführung.

Finanzielle Konsequenzen mit Steuerberater klären

Noch besser wäre es allerdings, so eine Investition vorher mit dem Steuerberater auf ihre finanziellen, steuerlichen und möglicherweise organisatorischen Konsequenzen zu prüfen. Schließlich tauchen beim Thema Firmenwagen immer wieder Aspekte auf, die Unternehmern unbekannt sind. So gilt etwa beim Berechnen des geldwerten Vorteils nach der Ein-Prozent-Methode grundsätzlich der Bruttoneupreis des Autos, selbst wenn es für einen Bruchteil der Summe gebraucht gekauft wird. Daher könnte es für Firmenchefs im Umkehrschluss attraktiv sein, einen Oldtimer zu fahren, der vor ein paar Jahrzehnten nur ein paar Tausend Euro gekostet hat und heute billigen Fahrspaß verspricht. Auch wichtig: Wird ein Leasingfahrzeug zu einem niedrigen Restwert übernommen und dann jemandem übertragen, der es zu einem höheren Preis verkauft, wertet der Fiskus dies als Entnahme.

Zwei Porsche und vier Rolls-Royce sind sicherlich zu viel

Hier kann der Steuerberater sicher ebenso helfen wie bei vielen anderen Fragen rund ums Thema Dienstwagen. Aber manchmal ist vor allem gesunder Menschenverstand gefragt – eine ganze Garage voller Nobelkarossen dürfte der Fiskus kaum als notwendig erachten. Gutes Beispiel: Marcus Prinz von Anhalt, der 37 Autos besitzt und allein in Deutschland 14 Stück hat, vom Lamborghini bis zum Maybach. Sechs davon wollte er als Betriebsausgabe von der Steuer absetzen, zwei Porsche und vier Rolls-Royce. Das Finanzamt forderte 800.000 Euro Steuernachzahlung und ließ ihn, als er nicht zahlte, zwei Jahre in U-Haft brummen – der Prozess läuft derzeit. Ob die Autos als Dienstwagen anerkannt werden, ist fraglich – mit solchen Youtube-Videos allein dürfte Marcus Prinz von Anhalt die Richter vermutlich kaum von seiner Auffassung überzeugen.