Feiertage

Wenn der Tag der Arbeit auf den 2. Mai fällt …

NEUER KOMMENTAR
Beitrag teilen

Feiertage, die auf einen Sonntag fallen, werden am nächsten Werktag nachgeholt. Was andere Länder praktizieren, kann auch in Deutschland den Stress am Arbeitsplatz reduzieren. Ausgeglichen werden kann der Stundenausfall durch mehr Produktivität über bessere innerbetriebliche Abläufe.

1. Mai Sonntag, 2. Mai frei – Arbeiter und Angestellte werden sich über diesen Vorstoß freuen, Unternehmer dürften sauer reagieren: Parlamentarier aus dem Mitte-links-Spektrum wollen, dass auf einen Sonntag fallende Feiertage am nächsten Werktag nachgeholt werden. Wir hätten dann ein verlängertes freies Wochenende vor uns, so wie in Belgien, Großbritannien oder Spanien. Der Unterschied ist nur: In all diesen Ländern wird – in Stunden gerechnet – mehr gearbeitet als hierzulande. Was zum seinerzeit von Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) ausgerufenen Freizeitpark Deutschland passen würde.

Die Deutschen haben gar nicht so viele freie Tage

Aber wie heißt es doch so schön: Traue keiner Statistik … Auch bei Urlaub und Freizeit kommt es darauf an, welche Zahlen betrachtet werden. Dass die Deutschen im Schnitt so kurz arbeiten, liegt unter anderem an der relativ hohe Teilzeitquote. Sie wird nur von den Niederlanden und der Schweiz übertroffen. Auch mit den freien Tagen ist es so eine Sache. Offiziell liegt Deutschland mit einem gesetzlichen Anspruch auf 20 Urlaubstage sowie – je nach Bundesland – zwischen neun und 13 Feiertagen europaweit am unteren Rand, rechnet Travelbook vor. Der echte Urlaubsanspruch aufgrund tariflicher Vereinbarungen allerdings erreicht im Schnitt 28 Tagen, von denen knapp 25 genommen werden. Was genau das bedeutet, lässt sich für jedes Bundesland unter Berücksichtigung des Urlaubsanspruchs berechnen.

Wichtiger wären bessere Abläufe im Betrieb

Aber zurück zur Feiertagsnachholung. Ob der in diesem Jahr auf einen Sonntag fallende 1. Mai oder 25. Dezember oder im nächsten Jahr der 1. Januar wirklich für einen Produktivitätsschub sorgt, werden sicher irgendwelche Ökonomen ausrechnen, denn Produktivität bemisst sich durchaus auch nach Umsatz durch Arbeitszeit. Aber nicht nur, und sicher nicht in allen Bereichen. Hier geht es um eine sehr industrielle Sichtweise, gedacht wird die Kennzahl vom Fließband und der Akkordarbeit her. Ganz ehrlich: Haben nicht auch Sie schon beobachtet, dass Ihnen selbst und Ihren Mitarbeitern nach einer kleinen Auszeit die Arbeit oft schneller und vor allem effektiver von der Hand geht? Dass also nicht nur zählt, wie viele Stunden man arbeitet. Ich kenne Berechnungen, nach denen Unternehmen in Jahren mit wenigen Feiertagen höhere Umsätze erzielen, aber eben auch mit höheren Kosten. Sinnvoller als das Zählen von Feiertagen wäre es, für alle übrigen Tage die Abläufe im Betrieb zu verbessern. Schon eine Viertelstunde weniger vertrödelte Zeit am Tag dürfte sich stärker auswirken als die zwei Feiertage mehr, die wir mit einer solchen Änderung dieses Jahr hätten.

Freie und Feiertage sorgen auch für mehr Umsatz

Rein volkswirtschaftlich betrachtet dürfen bei der Frage, ob Feiertage nachgeholt werden, übrigens die feiertagsbedingten Gewinne nicht vergessen werden. Wer einen Schlüssel– oder Klempnernotdienst betreibt, kann höhere Preise für Notfälle ansetzen. Ärzte haben einen weiteren Tag für eventuelle Notdienste. Und in der Gastronomie klingeln die Kassen ebenfalls mehr. Übrigens gleichen Arbeitgeber ihren Mitarbeitern nicht nur Feiertage im Einsatz aus, sondern auch Sonntage. So revolutionär scheint der Gedanke vom freien Feiertag durch konsequentes Nachholen also nicht zu sein. Und suchen wir nicht alle ständig Wege aus dem Stress? Da wäre das sicher hilfreich, hier und da – auch für Sie als Chef. Es verbietet Ihnen ja keiner, auch in den freien Stunden die ein oder andere womöglich zündende Idee für Ihren Betrieb zu haben. Aber es hat auch viel für sich, die Zeit zum Entspannen zu nutzen.

Vielleicht wäre das Drei-Tage-Wochenende eine Lösung

Sie sehen also, ich bin ein Fan des aktuellen Vorstoßes. Dagegen wäre ich nur, falls wir das Drei-Tage-Wochenende einführten – wogegen ich auch prinzipiell nichts hätte, schließlich haben Sie spätestens mit Kind und Kegel auch als Selbständige am Wochenende mehr zu tun, als nur auszuspannen. Bei einem Drei-Tage-Wochenende müsste man wirklich nicht mehr jeden entgangenen Feiertag nachholen. Gut möglich übrigens, dass wir – auch Sie und Ihre Mitarbeiter – die übrigen vier Tage mehr und konzentrierter arbeiten. In weniger Stunden mehr erreichen, das klingt wirtschaftlich wie gesundheitlich nach einer guten Sache.