Hannover Messe

Industrie 4.0 erfordert ein Umdenken bei der IT-Sicherheit

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Bei der Hannover Messe dreht sich alles um Digitalisierung und Vernetzung. Massiv von diesen Trends profitieren kann die Wirtschaft aber nur, wenn die IT-Sicherheit gewährleistet ist. Wie wäre es mit einem Firmenchefs-IT-Day, um Unternehmer für das Thema zu sensibilisieren?

Hannover Messe Industrie 4.0 Digitalisierung Vernetzung IT Sicherheit Cyberattacke Hacker VirenWelch ein Timing. Gerade wird bei der Hannover Messe wieder viel über die Chancen der umfassend vernetzten Produktion – Stichwort Industrie 4.0 – und ein wenig über die damit verbundenen Sicherheitsaspekte geredet, auch wenn Letzteres nicht wirklich oben auf der Agenda steht. Und dann macht die Tagesaktualität plötzlich Viren und Schadsoftware zum Thema. Nicht nur, dass Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen parallel zur Hannover Messe ankündigt, eine neue Abteilung „Cyber- und Informationsraum“ mit 13.500 Soldaten und zivilen Mitarbeitern aufzustellen, die Attacken auf die Netzwerke und Waffensysteme des Militärs abwehren soll. Noch konkreter wird die Gefahr eines Hackerangriffs auf Industrieanlagen durch die Meldung, im Atomkraftwerk Gundremmingen sei ein Computervirus im System einer Brennelemente-Lademaschine entdeckt worden. Er sei programmiert, ungewollte Verbindungen zum Internet herzustellen. Schadsoftware in der Steuerung einer Nuklearanlage? Die Unbefugten den Zugriff auf das System eröffnet? Und das zum Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe? Wäre die Sache nicht so ernst, man könnte fast lachen über so ein Timing.

Ohne Sicherheitskonzepte keine erfolgreiche Industrie 4.0

Ich beschäftigte mich schon länger mit der Industrie 4.0 – mit Fragen der Sicherheit ebenso wie mit neuen Anforderungen an die Qualifikation der Mitarbeiter oder praktischen Auswirkungen der Netzwerk-Ökonomie auf kleine Betriebe. Ich bin mir sicher, dass sich die Digitalisierung immer weiterer Bereiche von Wirtschaft sowie Gesellschaft nicht aufhalten lässt und sich vermutlich zunehmend beschleunigen wird. Ich wage auch die Prognose, dass Deutschland von der Entwicklung – bei allen damit verbundenen Übergangsschwierigkeiten für bestimmte Gruppen von Unternehmen oder Beschäftigten – profitieren wird. Ich bin kein Pessimist. Trotzdem würde ich es sehr begrüßen, wenn sich viel mehr Entscheidungsträger in den Betrieben deutlich intensiver mit dem Thema IT-Sicherheit von Industrieanlagen und Firmennetzwerken beschäftigen würden, so wie der Unternehmer Roger Tynior. Noch, das legt ein Interview mit dem Sicherheitsexperten Wolfgang Straßler nahe, bleibt hier viel zu tun.

Unternehmer müssen sich mehr um IT-Sicherheit kümmern

Heute ist der 28. April. Heute ist der Girls’ Day und Boys’ Day, an dem Mädchen und Jungen in Unternehmen hineinschnuppern sollen, um sich über zukunftsträchtige Berufsfelder zu informieren. Mädchen sollen mehr über (informations-)technologische und naturwissenschaftliche Karrieren erfahren, Jungen mehr über die Möglichkeiten im sozialen, erzieherischen und pflegerischen Bereich. Ich finde dieses Konzept gut, denn es hilft Schülern, sich zu orientieren und Neues zu entdecken – und viele Betriebe finden so leichter einen Auszubildenden. Und etwas abgewandelt ließe es sich auch für Unternehmer nutzen: Wie wäre es mit dem Firmenchefs-IT-Day, an dem Inhaber, Führungskräfte und Entscheidungsträger sich in damit bewanderten Betrieben über Tipps und Tricks zur IT-Sicherheit informieren? Würden die deutschen Unternehmer sich intensiver und kompetenter mit der Abwehr von Viren und Hackerangriffen beschäftigen, hätte ich beim Thema Industrie 4.0 ein noch besseres Gefühl …