Auszubildende

Ungewöhnliche Lösung: So wird ein Migrant zum Mitarbeiter

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Während viele Deutsche an die Unis drängen, interessieren sich Migranten für Handwerksberufe. Matthias Schomberg nutzt das bei der Suche nach Lehrlingen – auch wenn dies oft einen großen Aufwand für intensive Vorbereitung und Betreuung bedeutet.

Dachdecker arbeitet auf einem Dachstuhl eines Hauses. Einfamilienhaus Baustelle

 

Mit rund 35 Mitarbeitern ist die Schomberg + Co GmbH einer der größten Dach- und Fassadenspezialisten in Dortmund. Dass kaum jemand zu anderen Betrieben wechselt, spricht für unser hohes Ansehen als Arbeitgeber. Trotzdem wird es zunehmend schwieriger, Auszubildende für den Beruf des Dachdeckers zu finden. Durch den wachsenden Fachkräftemangel in vielen Branchen können vor allem gut qualifizierte Kandidaten in der Regel zwischen vielen Lehrstellen wählen.

Persönliche Beziehungen zur Lehrlingssuche nutzen

Der klassische Weg der Personalsuche über Arbeitsamt und Anzeigen führt immer seltener zum Ziel. In diesem Jahr haben wir unsere freien Ausbildungsplätze bereits im April der Agentur für Arbeit gemeldet, aber keine einzige Rückmeldung erhalten. Darum bleibt uns gar nichts anderes übrig, als aktiv auf potenziellen Berufsnachwuchs zuzugehen. So etwas fällt natürlich leichter, wenn man jemanden über persönliche Beziehungen gezielt informieren kann. Daher habe ich mir viel Zeit genommen, um mit einem 16-Jährigen aus Serbien ins Gespräch zu kommen, zu dem einer meiner Mitarbeiter den Kontakt hergestellt hatte.

Den Kampf mit der Arbeitsmarkt-Bürokratie aufnehmen

Der Junge hat mich beeindruckt. Im einwöchigen Praktikum zeigte er sich willig und war ehrlich bemüht, seine Aufgaben gut zu erledigen. Die Arbeit machte ihm offensichtlich Spaß. Aber es zeigte sich leider auch, dass seine Deutschkenntnisse nicht ausreichten. Auf einer Baustelle muss die Kommunikation klappen. Wenn ich nach einer Bohrmaschine frage, will ich keinen Hammer erhalten.

Eigentlich wollte ich dem Jungen eine unbürokratische Lösung anbieten. Für ein Jahr sollte er weiter ein Praktikum machen und parallel Deutsch lernen. Das hat leider nicht geklappt. Es gab keinen passenden Kurs, der ihm berufsbezogene Sprachkenntnisse vermittelt hätte. Einzig die Volkshochschule machte ein – nicht optimales – Angebot. Schlimmer noch: Einjährige Praktika sind gar nicht möglich. Dann hätte der Junge als Helfer gegolten und den Mindestlohn bekommen müssen. Das ist aus betrieblicher Sicht nicht darstellbar.

Unkonventionelle Lösungen mit viel Einsatz umsetzen

Letztlich habe ich doch noch eine Lösung gefunden. Der junge Mann macht jetzt bei uns eine Einstiegsqualifizierung (EQ). Das Angebot richtet sich speziell an ausbildungswillige Jugendliche, die nach der Nachvermittlung im Herbst keinen Ausbildungsplatz haben. Die Arbeitsagentur fördert die EQ-Vergütung mit bis zu 216 Euro monatlich zuzüglich eines Anteils am Gesamtsozialversicherungsbeitrag von monatlich 109 Euro. Dafür habe ich einen Vertrag geschlossen, in dem unter anderem geregelt ist, was der Junge lernt – und dass er ein Zeugnis bekommt. In dieser Konstellation kann er unter Umständen später sogar die Ausbildung verkürzen. Unser Einstiegsqualifikant geht jetzt zwei Tage in die Berufsschule und arbeitet drei Tage im Betrieb. Um sein Deutsch auf Vordermann zu bringen, finanzieren wir Privatstunden.

In die intensive Betreuung von Kandidaten investieren

Natürlich war das alles sehr aufwändig. Der Junge musste beispielsweise arbeitssuchend gemeldet werden. Wir mussten die Einstiegsqualifizierung beantragen. Für all das hat sich eine Mitarbeiterin viel Zeit genommen, denn unser Betrieb braucht dringend Fachkräftenachwuchs. Aber im konkreten Fall bin ich guter Dinge, dass sich diese intensive Betreuung lohnt. Der Junge spricht immer besser Deutsch und lernt auch fachlich schnell dazu. Ich bin ziemlich sicher, dass ich ihn im nächsten Jahr als regulären Azubi übernehmen kann.

Vita:

Der ausgebildete Dachdecker- und Klempnermeister sowie Diplom-Betriebswirt Matthias Schomberg übernahm seinen Betrieb im Jahr 1997 von Vater Karl, dem Firmengründer. Matthias Schomberg baute das Unternehmen mit inzwischen 35 Mitarbeitern weiter aus. Inzwischen ist die Schomberg + Co GmbH im ganzen Ruhrgebiet als innovativer Dach- und Fassadenspezialist bekannt.