Moderne Arbeitswelt

Digitalisierung als Antwort auf neue Herausforderungen

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Digitale Techniken haben die Arbeitswelt revolutioniert und werden dies auch weiter tun. Für Jubel- und auch Horrorszenarien bieten sie keinen Anlass. Entscheidend ist, welche Lösungen Unternehmen und Gesellschaft für die verschiedenen Herausforderungen finden.

Technician with reflective vest in factory hall using laptop

 

Neulich hat jemand bei Facebook ein Foto von einem Schreibtisch veröffentlicht, das sich auf Knopfdruck veränderte. Betitelt war das Video von Best Reviews mit „Die Evolution des Schreibtischs“, und man kann darauf binnen Sekunden die Digitalisierung im Lauf von mehr als 20 Jahren nachvollziehen: Da wandern nach und nach die auf dem Tisch stehenden und liegenden Gegenstände auf den Desktop des Computers: als die uns weidlich bekannten Symbole. Gut, auf dem Foto wurde der Drucker vergessen. Schon deshalb sieht mein Schreibtisch etwas anders aus. Ich halte die Sache mit dem papierlosen Büro jedenfalls für eine Mär – die sich zudem selbst widerlegt hat, zumindest hierzulande: Mit 244 Kilogramm Papier pro Jahr und Person sind wir laut Wirtschaftswoche Weltspitze beim Papierverbrauch. Und was der Kollege in dem Artikel beschreibt, ist mir als Journalistin auch – zumindest bei umfangreicheren Recherchen – alles andere als fremd.

Alte Arbeitsplätze fallen weg, neue entstehen

Auch bei den Alarmszenarien rund um das digitale Arbeiten bin ich skeptisch. Ob uns künftig Maschinen ersetzen werden, fragt der Digitalverband BITKOM unter anderem im Blog zur KnowTech 2015, dem Kongress für Wissensmanagement, Social Collaboration, Industrie 4.0 und ruft zu einer Blog-Parade mit Meinungsbeiträgen auf, der wir uns mit diesem Text gern anschließen. Ich gehe nicht davon aus, dass Maschinen jede Aufgabe übernehmen können. Zwar sind in den vergangenen Jahrzehnten durchaus bereits Arbeitsplätze durch die zunehmende Computerisierung weggefallen, und dies wird sicher auch in Zukunft passieren. Doch dafür entstehen auch immer wieder neue Beschäftigungsfelder.

Tätigkeiten bekommen eine neue Wertigkeit

Der vor allem bei weniger qualifizierten Tätigkeiten zu beobachtende Arbeitsplatzverlust muss unter dem Strich keinen Wegfall bedeuten. Es gibt insgesamt mehr als genug Arbeit – nicht nur, aber ganz besonders auch im sozialen Bereich. Manche Arbeiten werden nie durch digitalen Fortschritt überflüssig werden. Im Gegenteil. Die Herausforderung sehe ich eher darin, diesen Aufgaben den Wert zuzuweisen, den sie eigentlich haben müssten. Das gilt mit Blick auf das Altern der Gesellschaft und ihre Folgen ebenso wie beim Thema Bildung. Es kann auf Dauer nicht sein, dass so wichtige Tätigkeiten wie Krankenpflege, Altenpflege, Lehr- und Erziehungstätigkeiten, aber auch etwa die Sicherheit unseres Flugverkehrs im Vergleich zu Tätigkeiten beispielsweise in der Industrie unterbezahlt bleiben, weil sich dort leichter eine Wertschöpfung erzielen lässt. Auf irgendeine Weise werden die Gesellschaft und auch die Wirtschaft, Sie als Unternehmer, diese Frage lösen müssen.

Gute Leistung durch geteilte Jobs – mit digitaler Hilfe

Eine rein technische Lösung wird das nicht sein, obwohl technische Hilfsmittel in diesen Bereichen natürlich durchaus für Fortschritt oder zumindest erleichterte Abläufe sorgen können. Etwa, indem sie den administrativen Aufwand senken oder direktere Kommunikation ermöglichen und damit ganz neue Formen der Arbeitsorganisation, Beispiel Jobsharing. Ich halte es für eine arbeitsorganisatorische Binsenweisheit, dass prinzipiell jede Arbeit teilbar ist – natürlich muss die Grenzziehung bei einer solchen Portionierung sinnvoll sein. Aber möglich ist vieles, und dann können Sie als Firmenchef diese Arbeitsform natürlich auch Fach- und Führungskräften anbieten. Eine Unternehmensgründerin empfiehlt genau dies aus eigener Erfahrung gerade in Edition F. Was anders soll das sein als modern? Und ohne technische Lösungen sicher kaum umsetzbar.

PS: Dieser Beitrag ist Teil einer Blog-Parade des Branchenverbandes Bitkom zum Thema „Zukunft der Arbeit„. Was genau eine Blog-Parade ist, verrät dieser Beitrag.