Elektronische Kassensysteme

Gläserne Registrierkasse statt Investition in die Zukunft

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Mit Ablauf der Übergangsfrist bis Ende 2016 müssen Unternehmer, die Bargeldgeschäfte abwickeln, ein elektronisches Kassensystem anschaffen. Die Vorgabe der Finanzbehörde ist ein Misstrauensvotum für Firmenchefs und ein Eingriff in die unternehmerische Freiheit.

Close up of the hand of a person entering a sale on a cash register punching in the amount on the key pad with a view of the digital readout

Notgedrungen schlage ich mich dieser Tage wieder mal mit einem Thema herum, das mir die Politik aufgedrückt hat: dem elektronischen Kassensystem, oder besser gesagt der gläsernen Registrierkasse. Nur bis Ende 2016 darf ich nämlich noch das Gerät nutzen, in das ich zur Euro-Einführung investiert habe. Danach brauche ich ein neues. Grund dafür ist ein Erlass des Bundesfinanzministeriums. Demnach reichen künftig die sogenannten Z-Bons nicht mehr, mit denen ich bisher lückenlos die Tagesendsummenbons nachweise. Stattdessen sind ab 2017 alle elektronischen Daten eines Kassensystems zu speichern und auf Wunsch dem Betriebsprüfer des Finanzamts vorzulegen, natürlich nicht in Papierform, sondern elektronisch. Damit die Prüfer nicht mehr Papierbelege durchgehen müssen, zwingt mich der Fiskus, ein neues elektronisches Kassensystem anzuschaffen, was für mich nach einer ersten kurzen Marktübersicht eine Investition zwischen 5.000 und 10.000 Euro bedeutet. Technisch ist meine jetzige Kasse übrigens für mich noch jederzeit ausreichend.

Meine Wettbewerber schmerzt die Zusatzausgabe kaum

Was mich an dieser Vorgabe besonders ärgert: Durch sie unterstellt man mir als Firmenchef pauschal, dass ich womöglich ein paar Euro unterschlagen könnte. Ungeachtet der Tatsache, dass ich korrekt meine Buchführungs- und Aufbewahrungspflichten erfülle sowie meine Steuern und Abgaben abführe und überhaupt meine unternehmerische Verantwortung übernehme. Immerhin schaffe ich ja nicht zuletzt Arbeitsplätze in unserer Region.

Außerdem stehen Unternehmen meiner Größe mal wieder genau zwischen den Fronten: Der kleinere Händler, der seine Wurst und sein Fleisch nur auf einem Markt verkauft, braucht diese Investition nicht zu tätigen. Gegenüber jenen, die gar keine Registrierkasse haben, sondern eine offene Ladenkasse, ist die Politik kulant. Auf der anderen Seite schmerzt eine Ausgabe in dieser Höhe die Supermarktketten deutlich weniger beziehungsweise verteilt sich auf mehr Produktgruppen und Umsatz. Und große Online-Händler wie Amazon, mit denen ich in direktem Wettbewerb stehe, können sich diese Investition sogar ganz sparen – sie haben ja kein Ladengeschäft. Meine Fixkosten für ein kleines Geschäft und einen kleinen Online-Shop sind relativ gesehen ja viel höher als die der Handelskonzerne oder Internet-Riesen. Aber uns mittelständischen Handwerksbetrieben fehlt bei vielen Themen einfach die Lobby.

Ich würde Zeit und Geld lieber woanders investieren

Meine Kasse habe ich zur Euro-Umstellung vor knapp 15 Jahren angeschafft. Im Schreiben des Bundesfinanzministeriums heißt es, die Übergangsfrist von sechs Jahren entspräche der üblichen Nutzungsdauer. Woher kommt diese Erkenntnis? Meine Kasse würde es locker noch weitere zehn Jahre schaffen. Damals war die Investition auch für diesen Zeitraum gerechnet. Aber wieder einmal schreibt mir Vater Staat vor, wann und wofür ich mein Geld investieren muss. Ich werde also zunächst einmal Zeit brauchen, um mich genauer zu informieren. Und dann Geld, um das passende Gerät anzuschaffen. Dieser Betrag, den ich für die gläserne Registrierkasse ausgeben muss, wird mir netto in meiner Kasse fehlen. Das Geld und die Zeit hätte ich viel lieber in eine Zukunftsinvestition für meinen Betrieb gesteckt.