Internet

Die richtige Web-Seite lockt Kunden auch in die Provinz

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Schnelles Internet gilt für unternehmerischen Erfolg als unentbehrlich, bleibt in vielen Regionen aber weiter Mangelware. Statt über schwache Leitungen zu klagen, sollten Firmenchefs selbst für Abhilfe sorgen – oder ihre Web-Seite an die Gegebenheiten anpassen.

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Jedesmal, wenn ich mich ins Grüne wage, merke ich, wie schlecht man mobilfunktechnisch vielerorts immer noch angebunden ist. Manchmal stolpert man regelrecht von einem Funkloch ins nächste. Gut, im Mittelgebirge schirmen Hügel die Strahlung teilweise ab. Aber selbst im Flachland klaffen 2015 noch massive Funklöcher. Mindestens ebenso schlimm sieht es in zahlreichen Regionen mit dem superschnellen Kabelnetz aus, davon können Sie als Unternehmer eventuell selbst ein Lied singen, wenn Sie Ihren Sitz in der Provinz haben. Schöne Landschaft, langsames Internet, stellt der Starnberger Kreisbote sarkastisch fest.

Selbst für schnellere Leitungen sorgen

In Niederstaufen baggerten vom langsamen Internet geplagte Surfer kurzerhand den Boden auf, um eine Raserleitung zu legen. Statt mit 600 bis 900 Kilobit pro Sekunde rauschen deren Daten nun mit 30 Megabit durch die Leitung. Gemeinsam geht es eben anscheinend schneller zum Hochgeschwindigkeits-Internet. Ansonsten verweist die Telekom zumindest Privatkunden auf Anfrage gern an die Gemeinde. Als interessante Alternative etabliert sich außerdem der Richtfunk, mit dem so mancher Unternehmer oder gemeinnützige Verein vor Jahren noch auf eigene Kosten für Abhilfe sorgen wollte. Inzwischen lässt sich mit der Technologie sogar ein Geschäft machen, wenn man will: So versorgt eine Kölner Firma im Kreis Viersen Unternehmen per Richtfunk mit schnellem Internet.

Nicht nur über niedrige Übertragungsraten schimpfen

So berechtigt der Ärger und die Klagen über das lahme Netz auch sind, weil viele Regionen gegenüber besser erschlossenen Städten abgehängt werden – Internet auf dem Land ist nicht nur eine Frage der Datenübertragungsrate, sondern eben auch der generellen Verfügbarkeit. Wo es – selbst mit langsamen Verbindungen – funktioniert, kann es genau die Hoffnungen erfüllen, die daran geknüpft sind, nämlich das Hinterland mit dem Rest der Welt verbinden. Ein Instrumentenbauer etwa schwärmte im Deutschlandradio Kultur, sein Betrieb floriere nur dank des Internets auf dem Weltmarkt.

Das Seitendesign an die Leitungskapazität anpassen

Eine Standard-Homepage und ein paar Links – immer dann, wenn ein Kunde irgendwo auf der Welt ihm ein Instrument abgekauft hatte – brachten dem Gitarrenbauer Jens Ritter Bestellungen von überallher ins Haus. Auftraggeber hat der Unternehmer aus der Pfalz in Nashville, Los Angeles, Seoul oder auch Tokio. Prince und George Benson stehen ebenso auf der Kundenliste wie Musiker von Madonna. Ohne Internet hätte sein Betrieb in der dörflichen Umgebung kaum überlebt, weiß der Mann. Nun fänden zufriedene Kunden sogar den Weg in seine Werkstatt vor Ort. Dieses Beispiel zeigt: Ist das Internet langsam, sollten Unternehmer ihre Web-Seite sowie ihr Marketing an die eingeschränkten Möglichkeiten anpassen. Eine reduzierte Seite, die schnell lädt, ist auf jeden Fall besser als eine topmoderne, die sich aber leider auf dem Bildschirm des Kunden nur zögernd aufbaut. Mit der richtigen Strategie sind die unter 20 Prozent Versorgungsrate mit schnellem Internet sicher nicht schön, aber zu ertragen.