Familienpolitik

Unternehmer müssen mit erweiterter Elternzeit leben

NEUER KOMMENTAR
Beitrag teilen

Die Reform des Elterngelds gibt Müttern und Vätern mehr Möglichkeiten bei Elternzeit und Elternteilzeit. Dafür müssen sich Arbeitgeber ab Juli auf eine kompliziertere Gesetzeslage einstellen. Und künftig bei der Personalplanung noch flexibler werden.

Vielen Firmenchefs vor allem kleiner und mittlerer Betriebe dürfte es zusätzliche Arbeit (und eventuell Kosten) bescheren, aber sie müssen damit leben: Eltern bekommen aufgrund des erneuerten Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetzes mehr Möglichkeiten, ihre Elternzeit aufzuteilen – zeitlich sowie auch untereinander. In Kraft traten die Änderungen bereits zum Jahresbeginn, auswirken werden sie sich aber erst für Eltern, deren Kinder ab dem 1. Juli 2015 geboren oder adoptiert werden.

Die Änderungen betreffen alle Unternehmer

Das (Basis-)Elterngeld für zwölf Monate existiert weiter. Väter und Mütter können die Elternzeit künftig aber flexibler untereinander sowie auf allein oder gemeinsam genommene Teilzeitabschnitte verteilen. Neben dem Elterngeld gibt es ab Juli das Elterngeld Plus. So will die Bundesregierung das Problem beseitigen, dass Elternteilzeit oder gemeinsame Elternteilzeit bislang stets zum Verzicht auf Elterngeld führte. In Zukunft können Eltern wahlweise einen Elterngeldmonat in Elternzeit ersetzen durch zwei Elterngeld-Plus-Monate in Elternteilzeit. Und das vergleichsweise frei kombiniert. Was bereits für erhöhten Beratungsbedarf sorgt, wie Die Zeit berichtet – und auch Ihnen als Arbeitgeber mehr Flexibilität und Organisationsbereitschaft abfordern wird.

Künftig sind Elternteilzeiten frei kombinierbar

Die wichtigste Änderung aus Arbeitgebersicht: Eltern können die Elternzeit nun auf drei statt wie bisher zwei Zeitabschnitte verteilen. Dabei gilt: Bis zu 24 Monate der Elternzeit dürfen sie vom Beginn des vierten Lebensjahres bis zum achten Lebensjahr des Kindes nutzen, um sich so in der Betreuung des Kindes und der Erwerbstätigkeit besser abwechseln zu können. Wichtig für Sie als Chef: Der Arbeitgeber muss nicht zustimmen. Dieser Anspruch gilt also auch für neu eingestellte Eltern – er geht beim Wechsel des Arbeitgebers nicht verloren.

Von Juli an gibt es viele denkbare Modelle

Mehr Möglichkeiten erhalten Eltern auch für Elternteilzeit. Wenn sie derzeit Teilzeitarbeit und Elterngeld kombinieren, mindert der Lohn die ausgezahlten Beträge – und so geht ein Teil des Elterngeldanspruchs verloren. Das Elterngeld Plus soll diese Lücke schließen. Ein Partnerschaftsbonus erlaubt Eltern eine zumindest zeitweise parallele Elternteilzeit. Arbeiten beide Elternteile 25 bis 30 Stunden parallel, erhält jeder Elterngeld Plus für vier zusätzliche Monate. Fragen beantwortet eine extra eingerichtete Webseite des Bundesfamilienministeriums inklusive Elterngeldrechner und -planer. Auch die Süddeutsche Zeitung spielt ein paar Kombinationsmöglichkeiten durch.

Diese Schutz- und Antragsfristen gelten

Natürlich gilt auch für die neu geregelte Elternzeit Kündigungsschutz. Er beginnt frühestens acht Wochen vor Beginn der Elternzeit für den innerhalb der ersten drei Lebensjahre genommenen Anteil und danach frühestens 14 Wochen vor Beginn der Elternzeit. Und folgende Antragsfristen greifen ab Juli: vor dem dritten Lebensjahr muss der schriftliche Elternzeitantrag dem Arbeitgeber spätestens sieben Wochen vor Beginn vorliegen. Zwischen dem dritten Geburtstag und dem vollendeten achten Lebensjahr müssen Eltern die Elternzeit spätestens 13 Wochen vor deren Beginn beantragen.

Zunächst laufen zwei Regelungen parallel

Alles auf einen Schlag ändert sich aber nicht. Für bis einschließlich 30. Juni 2015 geborene Kinder gelten weiter die bisherigen Vorgaben. Die alte und neue Fassung des Gesetzes müssen in den Unternehmen also noch bis 2023 nebeneinander angewendet werden – zumindest für diejenigen Eltern, die sich einen Teil der Elternzeit bis zum achten Lebensjahr des Kindes aufgespart haben. Dies ist ja bereits nach der bisherigen Gesetzeslage möglich – nur eben nicht gar so flexibel aufgeteilt wie bei danach geborenen oder adoptierten Kindern.

Um Fehler zu vermeiden, sollten Unternehmer also jeden einzelnen Fall möglichst mit ihrem Rechtsanwalt überprüfen und Details und Auswirkungen der bis auf Weiteres parallel geltenden Regelungen klären.

Foto: Shutterstock