Firmenwagen

Mit dem Leichenwagen zum Wochenendausflug

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Für viele Mitarbeiter ist der Dienstwagen ein beliebter Entgeltbestandteil, für so manchen Unternehmer wird das Fahrtenbuch zum Baustein seiner Steuersparstrategie. Glücklich wird mit den betrieblichen vier Rädern aber nur, wer sich an die einschlägigen Vorschriften hält.

The Hearse

 

Wenn ein Punkt besonders für den Journalistenberuf spricht, dann dieser: Man kann sich immer wieder in neue Themen einarbeiten und erfährt dabei interessante Details, die viele Geschichten in einem anderen Licht erscheinen lassen als bei der ersten Betrachtung. Und manchmal erhält man sogar wertvolle Informationen für das eigene Berufs- oder Privatleben. Andererseits stößt man oft auf Tatsachen oder wie in diesem Fall Urteile, die einen bestenfalls zum Kopfschütteln bringen und schlimmstenfalls an seinen Mitmenschen zweifeln lassen, wie unlängst bei meiner Recherche zum Thema Dienstwagen und Fahrtenbuch.

Ohne Ziel kann die Fahrt nicht dienstlich sein

Eigentlich wollte ich nach einer Diskussion etwas zum Fahrtenbuch prüfen. Ich führe das, wie es sein soll, mit genauer Angabe von Datum und Ziel der Fahrt, besuchten Personen und Anlass. Aber das fällt mir auch leicht, da ich wenig per Auto unterwegs bin und nicht von Ziel zu Ziel hüpfe, weshalb man vielleicht aus Zeitdruck schon mal Aufzeichnungen verschiebt. Zum Glück laufen heute viele Gespräche per Telefon- oder Videokonferenz. Na ja, auf jeden Fall fand ich schnell ein Urteil, in dem der Bundesfinanzhof die Mindestanforderungen an das ordnungsgemäße Führen eines Fahrtenbuchs bestätigt. Ein Geschäftsführer hatte neben dem Datum einer Fahrt grobe Ortsangaben und gelegentlich Angaben zum Kunden oder Zweck gemacht und den Kilometerstand notiert. Diese ergänzte er später durch eine Auflistung, die sich aus seinem handschriftlich geführten Kalender ergab. Das Finanzamt erkannte die Dokumentation nicht an und bekam vom Bundesfinanzhof recht: Die Fahrten seien nicht vollständig aufgezeichnet gewesen.

Für die Steuer zählt nur der Bruttolistenpreis

Damit war das Thema geklärt, aber durch Querverweise landete ich plötzlich in einer Dienstwagen-Urteil-Welt, die mir bisher fremd war. Ich las beispielsweise, dass ein Geschäftsführer dagegen klagte, dass bei der Ein-Prozent-Methode zur Ermittlung des zu versteuernden privaten Nutzungsanteils des Dienstwagens der Neuwert zugrunde gelegt wird, obwohl er einen Gebrauchtwagen hatte. Ich kann den Wunsch des Mannes verstehen, Steuern zu sparen, nicht aber die Logik seiner Beschwerde: Wenn für den ganzen Nutzungszeitraum ein Prozent vom Bruttolistenpreis im Gesetz steht, gilt das natürlich auch für gebrauchte Autos. Sonst wären ja alle Dienstwagenfahrer benachteiligt, die einen Neuwagen erhalten und jahrelang fahren, ohne dass die Berechnung dem sinkenden Restwert angepasst wird. Im vorliegenden Fall ging es übrigens um einen Neuwagenlistenpreis von 81.400 Euro und einen Gebrauchtwagenwert von 31.990 Euro. Schon eine deutliche Differenz, aber dann hätte der Geschäftsführer entweder einen Neuwagen verlangen sollen oder ein preiswerteres Modell. Übrigens zählen Rabatte auch nicht, der Fiskus rechnet nur mit dem Bruttolistenpreis, nie mit dem ausgehandelten und wirklich gezahlten Kaufpreis.

Ohne Gehalt gibt es auch kein Firmenauto

Nicht verstanden habe ich übrigens auch den Mitarbeiter, der seinen Dienstwagen weiter nutzen wollte, obwohl er für längere Zeit arbeitsunfähig war. Nach dem Ende der gesetzlichen Lohnfortzahlung erhielt der Bauleiter nur noch Krankengeld und musste das Fahrzeug später abgeben. Er konnte es erst nutzen, nachdem er den Dienst wieder angetreten hatte. Für die Zeit ohne Auto verlangte er vom Arbeitgeber eine Nutzungsausfallentschädigung. Das Bundesarbeitsgericht verwarf dies mit der Begründung, die Gebrauchsüberlassung eines Pkw zur privaten Nutzung sei ein steuer- und abgabenpflichtiger Teil des geschuldeten Arbeitsentgelts und damit Teil der Arbeitsvergütung. Sie sei also nicht geschuldet für Zeiten der Arbeitsunfähigkeit, in denen keine Entgeltfortzahlungspflicht besteht. Eigentlich logisch.

Sportwagen kann ein teurer Spaß werden

Als nachvollziehbar betrachte ich auch die – für manchen Autofan sicher schmerzhafte – Entscheidung des Bundesfinanzhofs (VIII R 20/12), ein Unternehmer habe bei der Wahl seines Dienstwagens keinen steuerlichen Freibrief. Die Richter stellten fest: Ob ein unangemessener betrieblicher Repräsentationsaufwand bei Beschaffung und Unterhaltung eines Sportwagens vorliege, sei danach zu beurteilen, ob ein ordentlicher und gewissenhafter Unternehmer – ungeachtet seiner Freiheit, den Umfang seiner Erwerbsaufwendungen bestimmen zu dürfen – angesichts der erwarteten Vorteile und Kosten die Aufwendungen auf sich genommen haben würde. Im konkreten Fall nutzte ein selbständiger Tierarzt bereits einen VW Multivan nach der Ein-Prozent-Methode und hatte im Betriebsvermögen zusätzlich einen Porsche Boxter. Diesen kleinen Sportwagen ersetzte er dann durch einen geleasten Ferrari, für den er ein Fahrtenbuch führte, um die Kosten weitestgehend absetzen zu können – in drei Jahren gut 28.000, knapp 36.000 und fast 34.000 Euro für 550, 3.800 und 2.400 gefahrene Kilometer, vor allem zu Fortbildungsveranstaltungen. Das Finanzamt erkannte nur einen Euro pro Kilometer als Betriebsausgaben an, das Finanzgericht als erste Instanz erhöhte diesen Betrag auf zwei Euro. Der Bundesfinanzhof hielt die Deckelung für richtig, denn die Aufwendungen seien unangemessen gewesen. Zur Berechnung der angemessenen Aufwendungen dürfe auf durchschnittliche Fahrtkostenberechnungen vergleichbarer Fahrzeugmodelle zurückgegriffen werden. Sollten Sie also an einen Sportwagen als Dienstfahrzeug denken, gehen Sie das mit dem Steuerberater durch, bevor Ihnen das Vergnügen zu teuer wird.

Leichenwagen ersetzt keinen Dienstwagen

Gut verstanden habe ich dagegen den Angestellten, dessen arbeitsvertraglichen Anspruch auf Überlassung eines Dienstfahrzeugs zur Privatnutzung sein Chef ganz einfach erfüllte: Der Bestattungsunternehmer stellte ihm einen Leichenwagen zur Verfügung. Das Landesarbeitsgericht Köln hielt dies für unzumutbar – wer will Freunde oder Angehörige in der Freizeit schon in einem Leichenwagen herumkutschieren? Das Argument des Arbeitgebers, der Mitarbeiter habe zuvor einen VW Caddy benutzt, bei dem es sich ebenfalls um einen Transporter handle, zog auch nicht. Was mich nicht wirklich wundert …

Foto: gettyimages/Roc Canals Photography, Collection: Moment