Reisekosten

Lassen Sie Ihren Urlaub vom Finanzamt mitbezahlen

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Seit einem Urteil des Bundesfinanzhofs sind gemischt veranlasste Aufwendungen bei Dienstreisen mit beruflichem und privatem Anteil in größerem Umfang abziehbar – etwa beim Kurzurlaub in Hannover nach der CeBIT. Die Details sollten Sie aber vorher mit dem Steuerberater besprechen.

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Ich weiß, nach einer arbeitsintensiven Messewoche wollen Aussteller oder Fachbesucher meist nur eines: erst mal zwei Tage durchschlafen und dann ins Bett. Andererseits finden viele Veranstaltungen an Orten statt, die mehr zu bieten haben als anonyme Ausstellungsgelände. Was also liegt näher, als den Aufenthalt etwas zu verlängern und die Regeneration mit einem anregenden Kulturprogramm oder einem entspannenden Wellnesspaket zu beginnen? Gerade nach der CeBIT dürfte das gut funktionieren, da die Ausstellungshallen dieses Jahr bereits am Freitagabend schließen– das Wochenende steht also zur freien Verfügung.

Bessere Regeln für gemischt veranlasste Kosten

DATEV Reisekosten DienstreiseBesonders verlockend ist der Gedanke an eine Dienstreise mit verlängertem Erholungswochenende, seit der Bundesfinanzhof (BFH) die Rechtsprechung zur Beurteilung gemischt veranlasster Aufwendungen geändert hat. So sind Aufwendungen für Reisen, die geschäftlichen wie privaten Zwecken dienen, in größerem Umfang als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abziehbar. Im entschiedenen Fall war ein IT-Experte für sieben Tage zu einer Computermesse nach Las Vegas gereist. Das Finanzamt sah nur für vier Tage einen beruflichen Anlass und wollte daher neben den Kongressgebühren die Kosten für vier Übernachtungen und Verpflegungsmehraufwendungen für fünf Tage berücksichtigen, die anteiligen Flugkosten aber unter den Tisch fallen lassen. Der Große Senat des Bundesfinanzhofs allerdings meinte, Aufwendungen für die Hin- und Rückreise bei gemischt beruflich und privat veranlassten Reisen könnten grundsätzlich in abziehbare Werbungskosten oder Betriebsausgaben und nicht abziehbare Aufwendungen für die private Lebensführung aufgeteilt werden. Dafür müssten die beruflich veranlassten Zeitanteile feststehen und nicht von untergeordneter Bedeutung sein. Damit wurde die bisherige Rechtsprechung aufgegeben, dass sich aus dem Einkommensteuergesetz ein allgemeines Aufteilungs- und Abzugsverbot für gemischt veranlasste Aufwendungen ergibt.

Bundesfinanzhof urteilt immer großzügiger

Verfeinert wurde die Entscheidung unter anderem durch ein BFH-Urteil, nach dem ein Arzt die Teilnahme an einem Fortbildungskurs zum Sportmediziner zum Teil als Werbungskosten ansetzen kann, obwohl der Lehrgang in nicht unerheblichem Umfang Gelegenheit zur Ausübung verbreiteter Sportarten zuließ. Später hielt es der BFH auch für möglich, die Ausgaben einer Englischlehrerin für eine achttägige Fortbildungsreise nach Dublin teilweise als Werbungskosten anzuerkennen. Auflage: Hätten den Steuerpflichtigen nicht nur berufliche Gründe bewogen, die Reisekosten zu tragen, sei zu prüfen, ob berufliche und private Veranlassungsbeiträge objektiv voneinander abgrenzbar sind.

Auch Mitarbeiter können Urlaubstage anhängen

Genau das ist der Punkt, über den Unternehmer mit ihrem Steuerberater sprechen sollten. Es kann sinnvoll sein, schon vor Buchung einer Dienstreise mit privatem Anteil mit dem Experten darüber zu reden, ob die zu erwartende Kostenverteilung die Annahme einer teilweise beruflichen Veranlassung vermuten lässt. Bei einem Privatanteil von über 90 Prozent, so eine grobe Faustformel, dürfte das nicht so sein. Auch andere Fragen sind wichtig, etwa wie An- und Abreisetag behandelt werden oder welche Kosten auf jedem Fall ganz auf den beruflichen Anlass entfallen. Sinnvoll ist außerdem, mit dem Steuerberater genau zu klären, wie detailliert Aktivitäten protokolliert werden sollten, um eine günstige Aufteilung zu erreichen. Es kann auch sinnvoll sein, bei einem über die Messedauer hinausgehenden Aufenthalt zwei Hotelrechnungen ausstellen zu lassen: eine geschäftliche für die teuren Messetage, eine private für das preiswerte Wochenendarrangement. Das dürfte besser sein, als aus einer Gesamtrechnung den durchschnittlichen Tagessatz zu ermitteln – gerade bei einer Messe wie der CeBIT, wo die Übernachtungspreise für wenige Tage in den Himmel schießen, um direkt danach wieder drastisch zu fallen.

Die Möglichkeit, Urlaubstage an eine Dienstreise anzuhängen, gilt natürlich auch für Mitarbeiter. Wie das in Ihrem Unternehmen funktioniert, erklärt die angestellte Marketing-Referentin Alice Petros in TRIALOG.TV.

Foto: Shutterstock