Selbstanzeige

Wer es nicht ehrlich meint, hat schon verloren

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Steuerhinterziehung ist kein Kavaliersdelikt, kann aber mit der strafbefreienden Selbstanzeige aus der Welt geschafft werden. Mit ihrem Steuerberater sollten Unternehmer die Angelegenheit allerdings nur besprechen, wenn sie die Sache durchziehen wollen – sonst müssen sie einen neuen suchen.

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Ob Uli Hoeneß sich freut, dass in Sachen Steuerhinterziehung derzeit mehr über das gerade bekannt gewordene Schwarzgeld von Alice Schwarzer geredet wird als über den bevorstehenden Prozess gegen ihn? Vermutlich nicht, zumal der Andrang auf die Presseplätze für seine Verhandlung ahnen lässt, dass sich ab März die öffentliche Aufmerksamkeit wieder voll auf ihn richten wird – wie die Bild-Zeitung schreibt, waren die in einem Online-Akkreditierungsverfahren erhältlichen 49 Presseplätze binnen 27 Sekunden vergeben. Nein, der Präsident des FC Bayern München, der auch eine Wurstfabrik besitzt, wird sich beim Gedanken an die Feministin, die auch einen Verlag leitet, wohl eher fragen, warum er die Sache mit der strafbefreienden Selbstanzeige im Gegensatz zu Schwarzer nicht hingekriegt hat. Dem Vernehmen nach soll er mit seinem Steuerberater, einem Steuerfahnder in Altersteilzeit sowie einem Wirtschaftsanwalt an der Selbstanzeige gefeilt, unter dem herrschenden Zeitdruck aber Fehler riskiert haben. Schwarzer dagegen hat offenbar alles ruhig und richtig gemacht, für eine Nachzahlung von 200.000 Euro blieb ihr ein Prozess erspart.

Die Selbstanzeige ist eine knifflige Angelegenheit

Insofern werfen die beiden so unterschiedlich verlaufenen Fälle ein Schlaglicht auf die Eigenheiten, wenn nicht sogar Schwachstellen des Verfahrens. Viel wurde darüber geschrieben, dass alles umfänglich offengelegt werden muss. Aber was ist alles, und was ist umfänglich? Diese Frage kann nicht der Steuerberater beantworten – das muss jeder Betroffene machen und sollte dabei absolut ehrlich zu sich selbst sein. Geht es nur um Zinseinnahmen auf versteuertes Geld, oder sind sogar Umsätze nicht deklariert worden oder Erbschaften? Und wie weit muss man zurückgehen? Noch wird über Zeiträume von fünf oder zehn Jahren geredet, je nach Schwere des Vergehens. Aber die Große Koalition will zehn Jahre festschreiben. Im Einzelfall kommt es allerdings auf etwas ganz anderes an: Die Verjährungszeiträume für die Strafverfolgung einer Steuerhinterziehung und die Festsetzung der Steuernachzahlung sind unterschiedlich, hier steht es quasi fünf zu zehn. Das kann dazu führen, dass die Finanzbehörde bei lang anhaltender umfassender Steuerhinterziehung die Steuern und Zinsen für einen Zeitraum von zehn Jahren nachverlangen dürfte. Solche Details können nicht nur für die Formulierung der Selbstanzeige und die Zusammenstellung der Dokumente wichtig sein, sondern auch für die Bereitstellung der erforderlichen Liquidität, um den errechneten Betrag inklusive Strafzuschlag bei Fälligkeit sofort nachzahlen zu können.

Steuerberater darf Schwarzgeld nicht ignorieren

Auch ein zweiter Punkt wird in der öffentlichen Diskussion häufig übersehen: das Vertrauensverhältnis zwischen einem Steuerberater und seinem Mandanten. Wer sich zur Selbstanzeige entschließt, sollte einen auf dieses Thema spezialisierten Experten kontaktieren und sich dort zunächst allgemein beraten lassen sowie, falls er die Sache durchziehen will, die erforderlichen Unterlagen vollständig zur Verfügung stellen, damit die Korrektur berechnet und dokumentiert werden kann. Einfach mit den kompletten Kontoauszügen zum eigenen Steuerberater zu laufen, um mal die Lage zu sondieren, ohne es wirklich ernst zu meinen, bringt dagegen alle Beteiligten in eine schwierige Situation, wie handwerk.com betont: „Ein Steuerberater ist verpflichtet, die Steuern richtig zu erklären. Wenn er von einem Schwarzgeldkonto erfährt, kann er das nicht einfach wieder vergessen.“ Das bedeutet: Macht der Mandant plötzlich einen Rückzieher, muss er sich einen neuen Steuerberater suchen – denn seiner kann zwar das Steuergeheimnis rückwirkend wahren, aber keine weiteren Steuererklärungen erstellen, wenn er weiß, dass beispielsweise Zinserträge auf einem Konto in der Schweiz verschwiegen werden.

Sollten Sie also selbst betroffen sein: Machen Sie möglichst schnell reinen Tisch, aber handeln Sie nicht überhastet und ungeplant. Sonst geht es Ihnen eventuell wie Uli Hoeneß, und zum ruinierten Ruf sowie hohen Nachzahlungen kommt auch noch ein Strafverfahren.

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