SEPA-Umstellung

Der Countdown läuft – keine Zeit mehr verlieren

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Wer seinen Betrieb bis Februar 2014 nicht SEPA-fähig macht, dem droht die Zahlungsunfähigkeit. Viele Mittelständler spekulieren auf eine Verschiebung des neuen Verfahrens für Lastschriften und Überweisungen. Vergeblich. Besprechen Sie dringend mit Bank und Steuerberater, was zu tun ist.

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Sind Ihnen auch schon die Mails aufgefallen, dies neuerdings auf die bevorstehende Abbuchung einer Mobilfunk-, Kreditkarten- oder Stromrechnung hinweisen? Ich habe mir nichts dabei gedacht, bis es vor kurzem „klick“ machte. Na klar, das sind die ersten Auswirkungen von SEPA. Ich muss ja als Kunde ab 2014 vom Rechnungssteller in der Regel 14 Tage vorher gewarnt werden, dass eine Abbuchung ansteht, damit ich für ausreichende Deckung auf meinem Konto sorgen kann. Die meisten Konzerne haben den Umstieg auf SEPA, das europaweit einheitliche Verfahren für Lastschriften und Überweisungen, offenkundig schon gemeistert. Darum erhalte ich bereits jetzt beispielsweise diese Pre-Notification, also die Vorabinformation einer Abbuchung.

Deutschland hinkt bei SEPA hinterher

Wie weit sind Sie eigentlich bei der SEPA-Umstellung? Glaubt man aktuellen Studien und Statistiken, bewegt sich in Deutschland wenig. Laut EZB liegt der Anteil der SEPA-Überweisungen hierzulande unter zehn Prozent, während viele andere Länder, die zur sogenannten Single Euro Payments Area gehören, schon 30 Prozent oder noch mehr erreicht haben.

Diagramm_SEPACarl-Ludwig Thiele, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, ist besorgt, er warnt SEPA-Zauderer vor Liquiditätsengpässen sowie den Kosten durch fehlerhafte Zahlungsabwicklung und betont ausdrücklich, dass die Regeln europaweit einheitlich bei allen Überweisungen und Lastschriften gelten, also auch für Zahlungen innerhalb Deutschlands. „Bis zum 1. Februar 2014 muss die Umstellung vollzogen sein, es gibt keinen ‚Plan B‘.“ Wenn Unternehmen und Vereine bisher noch nie von SEPA gehört hätten, werde es sie Anfang nächsten Jahres kalt erwischen – aber es gebe bei der SEPA-Einführung weder ein Zurück noch einen Aufschub.

Viele Mittelständler ignorieren das Thema

Dann bekommen viele Betriebe ein massives Problem. Eine Studie Link 3 des Instituts ibi research an der Universität Regensburg GmbH, das zu Finanzdienstleistungen in der Informationsgesellschaft forscht, besagt: Kein Jahr vor dem Umstellungsdatum hatte jeder zweite Chef eines kleinen Unternehmens nur relativ vage Vorstellungen, was SEPA überhaupt ist. 62 Prozent der Befragten sagten, das Thema sei für sie nicht relevant – oder es gebe nur langfristig Handlungsbedarf. Und 42 Prozent erklärten, sie wüssten noch nicht, wie sie damit umgehen. Entsprechend schleppend verläuft die Vergabe von Gläubiger-Identifikationsnummern, die eine Voraussetzung zur Nutzung der SEPA-Lastschrift sind. Nur jeder achte der rund 4,2 Millionen deutschen Betriebe und Vereine hat sich von der Bundesbank bisher so eine Nummer ausstellen lassen.

Die IT-Umstellung ist sehr anspruchsvoll

Was gleich zur nächsten Frage an jeden führt, der die SEPA-Umstellung noch vor sich hat – und das dürften viele sein: Wissen Sie eigentlich, was dabei zu beachten ist? Was hinter Gläubiger-Identifikationsnummer, Mandatsreferenz oder Rückgabefrist steckt? Welche technischen Leckerbissen sich hinter Structured Creditor Reference, R-Transaktionen oder XML-Format verbergen? Vieles erfahren Sie bei DATEV, im SEPA-Guide des IT-Branchenverbands BITKOM und unter www.sepadeutschland.de. Aber Hilfe vom Steuerberater und einem IT-Experten brauchen Sie beim Umstieg wohl trotzdem, denn der Teufel steckt wie immer im Detail. Steffen von Blumröder, Bereichsleiter Banking & Financial Services beim BITKOM, warnt: „Kleine und mittlere Betriebe können das meist nicht alleine bewerkstelligen.“

Haben Sie schon über die Pre-Notification nachgedacht?

Aber es geht nicht allein um Technik. Und damit wären wir wieder bei der eingangs erwähnten Pre-Notification, die künftig auch Sie an Kunden schicken müssen, bevor Sie Geld einziehen können. Auf dem Merkblatt zur SEPA-Vorabinformation der Volksbank Ludwigsburg heißt es unter anderem lapidar: „Der Zeitraum von einem Vorlauf von 14 Kalendertagen kann abweichend in den Vertragsbedingungen zwischen Gläubiger und Zahler vereinbart und dort verkürzt werden.“ Na gut. Aber: Wollen Sie das, und wenn ja, wie machen Sie das? Bei SEPA geht es auch um Abläufe, um Organisation, um Kommunikation mit dem Kunden. Denn die müssen oft individuell über die Änderungen aufgeklärt werden, die SEPA mit sich bringt, wie Gudrun Klein, Geschäftsstellenleitung der Kinderland PLUS GmbH, in TRIALOG.tv erklärt. Das alles sollten Sie mit Bank und Steuerberater diskutieren und in Ihrem Umstellungsfahrplan berücksichtigen. Sie sehen also: Es wird höchste Zeit.

Foto: Gettyimages