Augen auf im Internet bei Versicherungs­vergleichen

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Ihre Kfz-Versicherung ist Ihnen zu teuer, und Sie wollen zum 30. November kündigen? Die Ergebnisse der Vergleichsportale im Internet gilt es mit Vorsicht zu genießen. Einige sind an Assekuranten gebunden, andere listen nicht alle Tarife. Wirklich unabhängig informieren nur wenige – und über die kann man nicht abschließen.

Okay, ich gebe es ja zu: Ich bin selber schuld. Weil ich auf der Jagd nach der billigsten Autoversicherung in mehreren Vergleichsportalen eine Tarifabfrage gemacht und dabei leichtsinnigerweise meine Mailadresse hinterlassen habe, werde ich regelmäßig mit Angeboten bombardiert. Und derzeit täglich mit Erinnerungen daran, dass ich bis spätestens 30. November meine Police kündigen muss, wenn ich zu einer preiswerteren Versicherung wechseln will. Aber ich beschwere mich auch gar nicht über die Flut an Mails – die lösche ich mit einem Klick. Ich will Sie auf etwas ganz anderes aufmerksam machen: den Etikettenschwindel mit Vergleichsportalen.

Versicherer leisten sich ihr eigenes Vergleichsportal

Zwar liefen 2011 rund 750.000 Neuabschlüsse über Vermittler im Internet wie Check24, transparo oder Toptarif. Wirklich unabhängig sind aber nur wenige Anbieter, wie die Süddeutsche Zeitung sehr schön am Beispiel der Autoversicherungen aufgezeigt hat. „Diese Seiten nennen sich zwar Verbraucherportale. Sie sind aber Vermittler“, wird Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten zitiert. Weil die Betreiber pro Abschluss eine Prämie von bis zu 100 Euro fordern, lassen sich dort nicht alle Versicherer listen. Einige Assekuranzen leisten sich sogar ihr eigenes Verbraucherportal: HUK-Coburg, WGV und HDI etwa haben sich mehrheitlich an Aspect Online beteiligt und die Seite in transparo.de umbenannt. Das Wort assoziiert Transparenz, was auch durch eine Erklärung des Unternehmens gestützt wird: „Das Team hinter transparo ist sich mit den neuen Partnern darüber einig, dass auch in Zukunft bei der Bewertung aller Produkte der gelisteten Anbieter ausschließlich Preis und Leistung zählen – wie es die Kunden von einem unabhängigen Vergleichsportal erwarten.“ Nicht garantiert wird, dass alle Anbieter gelistet sind. Viele Konkurrenten tauchen im Tarifvergleich nicht mehr auf. Dafür, so berichtet Handelsblatt Online, fehlen die drei Versicherungen bei dem Maklerportal Check24. Die HUK-Coburg hatte sich dort bereits 2010 zurückgezogen.

Nur wenige Tarifanalysen sind wirklich unabhängig

Natürlich: Ein wenig Vergleich ist besser als gar kein Vergleich. Aber für aussagekräftige Ergebnisse sollten Sie wenigstens in zwei bis drei Portalen den für Sie passenden Tarif ausrechnen lassen. Sie können auch wirklich unabhängige Analysen erhalten. Bei Stiftung Warentest kostet das 16 Euro. Bei Nafi ist das umsonst, und es sind alle Versicherer mit sämtlichen Tarifen gespeichert. Allerdings lassen sich dort keine Verträge abschließen. Sie müssen also mit den Ergebnissen im Hinterkopf auf einem anderen Weg die entsprechende Police abschließen – oder sie nutzen, um dem aktuellen Versicherer bessere Konditionen abzuringen, statt zu kündigen.

Foto: ddp images