Inhaltsstoffe: Keine Halbwahrheiten

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Vielleicht wären Sie ja auch dankbar für einen Bauchgefühlhinweis auf dem Rotweinetikett. Doch jetzt haben wir es sogar höchstrichterlich: Gesundheitsbezogene Angaben auf Alkoholika gehen gar nicht.

Kennen Sie das auch? Zum besonderen Geschäftsessen gönnen Sie sich ein Glas Wein, und am nächsten Tag ist Ihr Magen übersäuert? Wenn Sie das öfter haben, wären Sie ja vielleicht auch ganz dankbar für einen Hinweis auf dem Etikett eines magenschonenderen Weins, oder? Vielleicht gar eine Art Säure-Ampel? Wäre doch nützlich.

Das hatte sich offenbar auch die Winzergenossenschaft im pfälzischen Ibesheim gedacht. Mit dem Slogan „Edition Mild – sanfte Säure“ warb sie für ein paar ihrer Weine der Rebsorten Dornfelder, Grauer Burgunder und Weißer Burgunder und bezeichnete sie auf den Etiketten als besonders bekömmlich, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet.

Aussagen müssen wahr und belegbar sein

Das dürfe sie nicht, hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) geurteilt. Das Wort „bekömmlich“ sei eine gesundheitsbezogene Angabe, und die sei bei alkoholischen Getränken in der EU verboten (Az: C 544/10), begründeten die Richter.

Jetzt haben wir also höchstrichterlich, was die Health-Claims-Verordnung der Europäischen Union regelt: nämlich, welche nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben die Hersteller von Lebensmitteln auf ihre Produkte schreiben dürfen. Mit Blick auf den Verbraucherschutz gilt: Die Aussagen müssen wahr und belegbar sein, darüber haben Sie hier ja auch vorher schon mal gelesen. „Milde Säure“ mag da ja stimmen, ist aber eben auch nur die halbe Wahrheit. Denn dass der Weinverzehr potenziell gesundheitsschädlich ist, unterschlägt der Slogan „Milde Säure“. Und das haben nun eben auch die Europa-Richter bemängelt. Schon mein Französischlehrer früher hat mal gesagt: „Im Wein liegt die Wahrheit, der Schwindel liegt im Etikett.“

Ein bisschen Säure gehört dazu

Falls Sie Winzer oder Weinhändler sind: Werbung dieser Art können Sie also getrost vergessen. Und falls Sie sich nur als Weintrinker etwas orientieren wollen, werden Sie auch künftig Kellner oder Händler fragen müssen. Oder Sie müssen sich selbst ein bisschen genauer informieren. Ich habe bei der Gelegenheit mal kurz gegoogelt und dabei gelernt, dass ein bisschen Säure im Wein dazugehört. Hätte man sich ja denken können: Säure konserviert.

Und es gibt auch ein paar allgemeine Faustregeln, welche Weinsorten mehr und welche weniger Säure enthalten. Darüber berichtet Rindchens Weinkontor. Wahrscheinlich haben Sie damit ja auch schon Ihre Erfahrung gemacht. Ich trinke ja kaum Wein, aber wenn, dann sind mir bisher die Weine aus echten Sonnenanbaugebieten am besten bekommen. Mindestens Südeuropa, besser noch Kalifornien oder Südafrika. Die sind auch ganz lecker. So langweilig es klingt: Am besten ist Vernunft. Auch beim Geschäftsessen sollten Sie gesundes Essen zum Wein bestellen: also nicht gerade die fetttriefendsten Speisen und vielleicht auch keinen allzu süßen Nachtisch. Zumindest nicht, wenn Ihr Magen etwas empfindlicher ist und Sie auf den Wein nicht verzichten wollen.

Und als Winzer, Bierbrauer oder auch Hersteller von Lebensmitteln dürfen Sie nur aufs Etikett schreiben, was Sie auch einwandfrei belegen können.

Foto: Plainpicture