Langsam habe ich Angst um meine Daten

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Adressmanagement und Datenschutz sind zwei Seiten einer Medaille: Nur mit aktuellen Kundeninformationen funktionieren maßgeschneiderte, erfolgreiche Mailings. Und nur wer ernsthaft mit Kundendaten arbeitet, setzt sie unter rechtlichen und Marketinggesichtspunkten überlegt ein. Hier müssen einige Unternehmen noch viel lernen.

Warum muss das eigentlich immer mir passieren? Oder geht es vielen anderen ähnlich, nur dass die sich nicht wundern oder gar aufregen? Vor nicht allzu langer Zeit habe ich an dieser Stelle darüber berichtet, wie maximal unterentwickelt das Adressmanagement eines großen Nutzfahrzeugherstellers offenkundig ist. Und nun? Stellt gleich noch ein Pkw-Konzern unter Beweis, dass er es auch nicht besser kann.

Dabei war die Inspektion so gut verlaufen. Kompetente Arbeit, nettes Gespräch, und die obligatorische Frage, ob man mir weiter Informationen schicken dürfe. Sie wissen schon, Datenschutz, informationelle Selbstbestimmung und so. Ich habe zugestimmt und zugleich darauf hingewiesen, dass ich manchmal doppelt angeschrieben werde, wohl weil ich bereits mehrere Autos des Herstellers gekauft habe. Natürlich werde man die Dublette aus dem Datensatz entfernen und mich jetzt nur noch für das aktuelle Fahrzeug anschreiben, war die freundliche und auch dankbar klingende Antwort. Klar: Ohne meinen Hinweis nehmen die den alten Wagen nicht aus dem Verteiler. Die wissen ja nicht, ob ich ihn noch fahre oder verkauft habe, und schicken mir deshalb entsprechende Informationen zu dem Modell.

Wie gelangen meine Daten in die falschen Hände?

Kurz danach kam ein Brief mit der Umfrage zur Kundenzufriedenheit. Alles bestens. Ausgefüllt, eingetütet, abgeschickt. Dann kam noch eine – nein, nicht zu dem Auto. Auch nicht zum alten, das ja eh nicht in der Inspektion war. Absender war gar nicht meine Marke, sondern die Konzernschwester, die ich noch nicht einmal als Mietwagen gefahren habe, ganz zu schweigen vom dokumentierten Besuch bei einem Händler. Und dann liegt in meinem Briefkasten eine Umfrage zum letzten Werkstattbesuch mit dem Anschreiben: „Sehr geehrter Herr Wiercks, Ihre Zufriedenheit ist für uns besonders wichtig, und garantierte Qualität darf nicht nur eine Floskel sein …“ Für mich sieht garantierte Qualität im Umgang mit Kundeninformationen anders aus. Und diese Art von organisiertem Datenschutz macht mich eher unzufrieden. Da muss in der zentralen Datenverwaltung einiges gehörig durcheinandergeraten sein. Aber immerhin: Mein Name war richtig geschrieben.

Datenschutz ist für Unternehmer ein wichtiges Thema

Ich hoffe, dass Sie als Unternehmer die Themen Qualität und Datensicherheit ernster nehmen. Und vor allem aus Fehlern lernen. Denn geärgert habe ich mich nicht über die Dubletten. Die waren erklärbar, wenn auch ein wenig nervig. Und die konnte ich abstellen. Wirklich aufgeregt hat mich nach dem an sich guten Inspektionstermin ein verantwortungsloser Umgang mit meinen persönlichen Daten in der Konzernzentrale. Wer weiß, welche Informationen bei dieser Panne wo auch immer gelandet sind. Wer hier nicht aufpasst, hat übrigens auch schnell den Staatsanwalt am Hals, denn Datenschutz ist für Unternehmen generell ein heikles Thema.

Ach ja, mein Nutzfahrzeughersteller schreibt mich immer noch an. Und legt nicht einmal ein Formular zur Adressänderung oder gar – Gott bewahre – Abbestellung bei. Auch das gehört bei dieser Art von Sendungen eigentlich selbstverständlich dazu ….

Foto: Gettyimages/Baris Simsek