Fiebrige Erkältungen sind beliebter als der Chef

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Der Chef an sich ist ein sozialer und kommunikativer Idiot. Führungsqualität: unterirdisch, Sozialkompetenz: unsichtbar. Diesen Eindruck bekommt, wer sich bei Angestellten umhört. Seien Sie froh, dass Sie Ihr eigener Chef sind. Äh … was sagen eigentlich Ihre Mitarbeiter?

Gleich vorweg: Die Überschrift ist leider kein Witz, sondern bezieht sich auf eine Studie der Talentmanagementberatung Development Dimensions International (DDI), für die weltweit 1.279 Mitarbeiter ohne Führungsverantwortung zu Erfahrungen mit ihren Vorgesetzten befragt wurden. Laut Studie gaben zahlreiche Befragte an, lieber Strafzettel, Erkältungen oder einen schmerzhaften Kater hinzunehmen, als mit ihrem Chef schwierige Gespräche zu führen. Womöglich bekommen sie ja alle drei Dinge auch erst nach einem solchen schwierigen Gespräch. Wer weiß …

In solchen Momenten bin ich schon froh, meine eigene Chefin zu sein. Sie ja vielleicht auch. Schlimm ist es nur, wenn Sie insgeheim auch noch froh sind, nicht Ihr eigener Mitarbeiter sein zu müssen. Dann haben Sie nämlich ein Problem. Denn darunter leidet nicht zuletzt Ihr Unternehmen – und damit auch Sie. Und das Schlimme: So leicht merken Sie das gar nicht.

Endlich Ruhe? Vorsicht!

Hatten Sie in der Vergangenheit vielleicht mit dem einen oder anderen Mitarbeiter öfter unerfreuliche Auseinandersetzungen? Stress pur? Und freuen sich, dass jetzt Ruhe ist? Vorsicht. Dann hat Ihr Mitarbeiter vermutlich einfach nur innerlich gekündigt und keine Lust mehr, sich zu engagieren. Denn genau das ist ja die positive Kehrseite dessen, was an Auseinandersetzungen so nervt: Dass noch jemand gemeinsam etwas für Ihr Unternehmen erreichen will. Und notfalls darum kämpft. Sich dafür einsetzt. Auch gegen Widerstand – selbst von Ihnen. Gibt ein Mitarbeiter, mit dem es vorher zu Reibungen gekommen war, einfach Ruhe, ohne dass die Probleme aus der Welt sind, hat er wohl einfach sein Engagement an den Nagel gehängt.

Leider ist das dummerweise auch noch ansteckend. Meistens bekommen die Kollegen mit, dass es zwischen dem Chef und einzelnen Mitarbeitern nicht stimmt. Wenn dann bei immer mehr Angestellten der Frust zunimmt, merken Sie das bald auch wirtschaftlich, etwa an hohen Fehlzeiten. Und daran, dass die Kundenreklamationen zunehmen oder Ihre Mitarbeiter mehr Ausschussware herstellen und überhaupt die Produktivität nachlässt, erklärt der Wirtschaftspsychologe Ralf Brinkmann in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ).

Schuld sind meistens Führungsfehler

Und nein, das liegt in der Regel leider nicht daran, dass es alles Idioten sind. Mal abgesehen davon, dass im Zweifel Sie selbst die Idioten eingestellt haben – meist hat so etwas mit vermeidbaren Führungsfehlern zu tun. Darum empfehlen Experten übereinstimmend drei Dinge für ein motivierenderes Betriebsklima: Chefs sollten ihre Mitarbeiter nach sinnvollen Kriterien und mit Bedacht auswählen. Sie sollten mit ihren Mitarbeitern klare und realistische Ziele vereinbaren. Und sie sollten den Mitarbeitern Vertrauen erweisen, indem sie Aufgaben an sie delegieren und ihnen damit Verantwortung übertragen.

Und falls Sie sich mal selbst ein bisschen testen wollen: In dieser Checkliste steht, was Sie auf jeden Fall sein lassen sollten, weil es ihre Mitarbeiter demotiviert. Sie können ja mal spicken, wie viel davon sich in Ihren Arbeitsalltag und den Umgang mit Ihren Mitarbeitern schon eingeschlichen hat. Und es sein lassen.

Schließlich wollen Sie sicher auch, dass sich Ihre Mitarbeiter lieber mit Ihnen unterhalten, als Strafzettel, Erkältung oder schmerzhaften Kater zu erleben.

Foto: Shutterstock